Warum Dir das Buffet Stress macht und wie Du im Urlaub trotzdem entspannt essen kannst

Wie du in drei Schritten herausfindest, warum du am Buffet zu viel isst und was du tun kannst, um in Zukunft entspannt zu essen

Urlaubszeit – freust du dich auch darauf, mal nicht selber zu kochen, sondern dich an den gedeckten Tisch zu setzen? Wenn du in einem Hotel bist, hast du wahrscheinlich Halbpension oder All Inclusive gebucht. Soo viele leckere Sachen auf dem Buffet!

Essen am Buffet bedeutet Stress!

…und nach drei Tagen hast du das Gefühl, dass das Essen dich mal wieder komplett überfordert. Da ist es dann schnell vorbei mit “enstpannt essen”…Während andere fröhlich aufstehen und satt und zufrieden genau so viel  gegessen haben, wie sie wollten, fühlst du dich unwohl: zu viel gegessen. Dich nicht beherrscht. Die Augen waren größer als der Mund. Du konntest am Nachtisch einfach nicht vorbei. Und das nicht nur am ersten Tag, sondern immer wieder.

Das ist echter Ess-Stress. Wie kommst du aus dieser Nummer bloß wieder raus? Einerseits ist der Urlaub ja zum genießen und entspannen da. Aber wie findest du beim Essen ein Maß von Genuss, das auch am Ende der Mahlzeit noch stimmt? Wie schaffst du es, mit einem guten Gefühl aufzustehen und bei der Rückkehr nach Hause immer noch in deine Jeans zu passen?

alte Gedanken verhindern den Genuss

Ich habe gerade zwei spannende Urlaubswochen hinter mir, in denen ich unfreiwillig genau dazu geforscht habe. ;)…wir waren in einem wunderschönen Hotel in den Dolomiten, sind viel und anstrengend gewandert und ich habe mich echt auf das Essen gefreut. Nach zwei Tagen habe ich bemerkt, dass mir besonders das Abendessen total Streß machte.

Dann habe ich mich an verschiedene Urlaube in den letzten Jahren erinnert, bei denen ich das Problem ähnlich erlebt hatte. Ich hatte es komplett vergessen, aber es tauchten immer wieder dieselben Gedanken auf. Als ich wieder zu Hause war, habe mich einmal hingesetzt und versucht, die Struktur hinter meinem Buffet-Stress zu entdecken und Lösungen dafür zu finden.

3 Ideen, wie du Genuss am Buffet trainieren kannst 

In der Hoffnung, dass Du dies noch vor deinem nächsten All-inclusive- oder Halbpensions-Urlaub  liest, dir die besten Genuss-Ideen für deine persönliche Situation raussuchst, sie im Urlaub übst und so das Essen entspannt genießen kannst, habe ich für dich mal einige Ideen zusammengetragen.

Man kann das Thema von verschiedenen Seiten angehen, die ich mal in  Verhaltenstipps, Ursachenforschung und Akzeptanztraining unterteilt habe.

Möglichkeit 1: Verhaltenstipps –  Essen planen

Die Verhaltenstipps sind so einfach wie langweilig. Du hast sie schon oft gelesen. Sie sind das, was du direkt tun kannst, auch wenn du nicht näher darüber nachdenken kannst oder willst, woher es kommt, dass du dich überisst. Oft ist es während der Situation echt schwierig, gedanklich einen Schritt zur Seite zu treten und dich selber zu beobachten. Deshalb ist es gut, dir vorher ein bis zwei Strategien zu überlegen, die du dann nach dem Motto: „Augen auf und durch“ anwendest.

Hier einige Beispiele:

  • Du nimmst dir nur kleine Portionen auf den Teller.
  • Du isst zuerst den gesunden Salat, damit du bei den kalorienreichen sahnigen Gratins oder Fleischgerichten gar nicht mehr so viel Hunger hast.
  • Du lässt den Hauptgang weg.
  • Du bevorzugst Obst zum Nachtisch.
  • Du trinkst Wasser als Grundlage und ein kleines Glas Wein für das Luxus-Gefühl.
  • Du verzichtest auf das Brot vorweg….
  • Du beobachtest genau, wann du satt bist und hörst dann auf.
  • Du machst nach jedem Gang mindestens xx Minuten Pause

Sagte ich schon, dass die Tipps langweilig sind? ;). Nichts davon ist neu und wahrscheinlich hast du das meiste auch schon einmal ausprobiert. Manchmal klappt es gut, manchmal nur eine Mahlzeit lang. Du kannst dir natürlich auch Hilfe holen, indem du jemanden bittest, dich freundlich (!) an deinen Plan zu erinnern.

Wenn die Ess-Tipps nicht ausreichen…

Aber: was, wenn diese Tricks ein-, zweimal klappen und dann wieder nicht? Das Wissen ist ja meistens nicht das Problem. Das, was du als „inneren Schweinehund“ kennst, der dich wieder zur zweiten Portion greifen lässt, ist dann Ausdruck von etwa anderem. Es sind alte Gedanken- und Gefühlsmuster, die dich mit dem Essen durcheinanderbringen.

„Alte Gefühls-Bekannte“

Ich hab ziemlich geschluckt, als ich gemerkt habe, dass ich ein paar alte Gefühls-Bekannte in den Urlaub mitgenommen hatte. Da ich gerade in einer ziemlich intensiven Umbruchsituation stecke,  gingen die Gedanken ziemlich ans Eingemachte. In meiner Ursprungsfamilie war es zum Beispiel so, dass Reisen in ein Hotel überhaupt nicht vorstellbar waren.

So viel Geld ausgeben für Schlafen und Essen! Und dann noch jeden Tag so üppig! Das war für meine Eltern und Großeltern nur etwas für reiche Leute. Und „reiche Leute“ waren nichts Positives bei uns…ich weiß nicht, ob du es dir vorstellen kannst, dass ich mich insgeheim und unbewusst fehl am Platz gefühlt habe. Und da ich es als „alte Strategie“ gut kenne, bei Unsicherheit zu essen (noch dazu, wo ich doch „so viel Geld“ dafür bezahlt hatte!), habe ich aus anderen Gründen als Hunger und Genuss gegessen.

Möglichkeit 2: Ursachenforschung

Das war jetzt mein ganz persönliches Beispiel. Vielleicht sind die Auslöser bei dir ganz andere (das halte ich sogar für wahrscheinlich) – aber das Grundprinzip: du fühlst dich mit einem Gedanken, einer Gefühl, einer Situation unwohl und reagierst mit essen – kennst du wahrscheinlich, wenn du diesen Artikel liest. Und ich hab erst im Abstand zu dieser Situation gelassen darauf schauen können und mir überlegen, wie ich anders damit umgehen kann. Hier mein Vorschlag für dich:

Es hat einen guten Grund, dass du so reagierst

Wenn Du merkst, dass die reinen Verhaltenstipps nicht klappen, versuch es mal mit zwei Dingen:

  1. der Grundhaltung: es gibt einen guten Grund dafür, dass ich genau so reagiere. Ich habe einfach noch nicht herausgefunden, worum es geht, deshalb brauche ich scheinbar den „Umweg“ über das Essen.
  2. der genauen Beobachtung, wann du dich unwohl fühlst. Oft merkst du es erst hinterher.  Die hilfreiche Frage, die du dir dann stellen kannst, lautet:

„Welcher Gedanke oder welches Gefühl hat dazu geführt, dass ich….. „

  • zu viel gegessen habe?
  • zwei Portionen Dessert wollte?
  • das Gericht, das mir nicht geschmeckt hat, trotzdem gegessen habe?
  • die ganze Menüfolge brav der Reihe nach probiert habe?
  • unbedingt noch xyz essen musst, obwohl mein Bauch schon voll war?
  • ….

Wie du an meinem Beispiel gesehen hast, ist es mitten in der Situation meist schwer zu erkennen, was der Auslöser ist. Deshalb schlage ich Dir mal einige Gedanken vor, die ich von mir und meinen Klientinnen kenne. Vielleicht ist ja auch für dich ein hilfreicher Gedanke dabei:

  • „ich habe xx Euro für dieses Essen bezahlt, das muss sich auch lohnen“
  • „man“ macht das wohl so
  • das war früher etwas ganz besonderes, so viel essen zu dürfen
  • früher durfte ich nie xyz essen, also muss ich das jetzt ausnutzen
  • es ist respektlos, etwas auf dem Teller zu lassen
  • das Essen ist meine Zuwendung/mein Trost/die einzige Möglichkeit, mich zu entspannen
  • wenn ich nicht in meiner gewohnten Umgebung bin, fühle ich mich unsicher. Beim Essen bin ich wenigstens beschäftigt und fühle mich geerdet…

Möglichkeit 3: Akzeptanztraining – im Ernst??

Das sind natürlich an einigen Stellen ganz schön tiefe Erkenntnisse, bei denen Gefühle zum Vorschein kommen können, die sich nicht so ohne weiteres (allein) verändern lassen…ist das nicht ein bißchen viel verlangt, dir beim Urlaubsessen so viele Gedanken zu machen?

Kann sein. Ich habe auch lange überlegt, ob es sinnvoll ist, das alles in einen Blogartikel zu schreiben und weiß, dass ich hier vieles nur anreißen kann. Aber wenn die Gedanken denn nun mal da sind, hast du sicher mehr davon, sie freundlich anzuschauen anstatt sie wegzuschieben.

Das heißt ja auch nicht, dass du sofort etwas verändern musst, wenn du feststellst, dass es mit dem Essen am Buffet nicht so klappt, wie du dir es wünschst oder wie es dein Mann/deine Freunde/„alle anderen“ hinbekommen.

Mir gefällt der Achtsamkeit-Ansatz da sehr gut: ich bemerke ganz einfach, dass dieses Gefühl auftaucht. Beobachte es wie eine Forscherin, mache eine Art Bestandsaufnahme. Ich vermute, dass fast automatisch die Frage auftaucht: was kann ich tun, um mich besser zu fühlen?

Nur für diesen Moment entscheiden

Mein Tipp: Entscheide einfach nur, ob ob du in diesem Moment weiter so essen möchtest. Mit der Möglichkeit, ja oder nein zu sagen. Weiter viel zum essen, war bisher die beste Handlungsmöglichkeit, die du hastet. Du MUSST gar nichts verändern.

Mal ganz pragmatisch betrachtet: nach dem Urlaub isst du wahrscheinlich wieder „vernünftig“. Deine gewohnte Umgebung führt fast automatisch dazu, dass du wieder so isst, wie du es in deinem Alltag gewohnt bist. Und solltest du zugenommen haben, ist das bei „normalem“ Essen in der Regel nach ein bis zwei Wochen wieder ausgeglichen.

beobachten: Was verändert sich von ganz allein?

Und interessanterweise verändert sich allein dadurch oft schon ganz von selbst etwas, dass du dir diese Frage stellst. Beobachte, was von allein passiert. Vielleicht ist der Nachtisch dann doch gar nicht so lecker, dass du eine zweite Portion brauchst. Oder du hast gar keinen Appetit auf eine üppige Hauptspeise. Oder du beschließt, dass du Salat auch zu Hause regelmäßig isst und dir hier lieber etwas anderes gönnst…

Gibt es eine Erfolgsgarantie?

Das wäre schön! Es kommt darauf an, wie du Erfolg definierst.Wenn dein Anspruch ist, dass du jeden Abend mit leichtem Bauch vom Tisch aufstehst und du immer das auswählst, was dir gut tut, kann es schon sein, dass es nicht perfekt klappt. Aber ich vermute, dass deine Aufmerksamkeit dazu führt, dass du in den letzten Urlaubstagen entspannte isst als bei der ersten Mahlzeit…

Ich wünsche Dir, dass du das passende Maß an Aufmerksamkeit findest. Ich freue mich, wenn Du es einmal ausprobierst, dein Urlaubs-Buffet-Essen neu zu beobachten. Ich bin sicher, dass dein „geniales Unterbewusstsein“ (wie die Psychologin Ina Hullmann es mal genannt hat) dir dabei hilft,schon das Richtige finden, dass du mit deiner freundlichen Aufmerksamkeit etwas dafür tust, damit du zufriedener vom Tisch aufstehst.

Und ich freue mich, wenn Du mir von deinen Erfahrungen berichtest! Wie genießt du das Essen am Buffet? Hast Du andere Ideen für die Stolpersteine? Oder kennst du diesen Thema gar nicht? Schreib mir gern einen Kommentar oder eine Mail.

Genüssliche Sommergrüße,

Antje

2 Comments

  • Christiane Kilian

    Reply Reply 18. Juli 2016

    Liebe Antje, schön, dass Du Dir Gedanken dadrüber machst und auch Lösungsideen servierst! Ich mag Buffets deshalb nicht, weil die Auswahl oft schwer fällt, weil es so oft überall diegleichen Angebote gibt, weil ich nicht gerne in Schlangen stehe, weil die meisten Leute total unorganisiert am Buffet sind (alle warten, dass einer an den Vorspeisen endlich fertig ist, obwohl an den Hauptgerichten kein Mensch steht – aber man “drängelt sich ja nicht vor!), weil ich keinen Platz finde, um meinen Teller abstellen zu können, während ich mir mit dem zweiteiligen Salatbesteck auftun will, und weil ich die angebrochenen Schüsseln und verklecksten Tischdecken einfach stillos finde. Im Urlaub genieße ich es, mir aus der Karte aussuchen zu können und fein bedient zu werden!

  • Antje Müller

    Reply Reply 18. Juli 2016

    Hallo Christiane,
    danke für Deine Erfahrungen. Oh je, das ist ja noch eine ganz neue Art von Stress am Buffet! Bei den Erfahrungen kann ich gut verstehen, dass du das nicht magst. Gezielt aussuchen und bedient zu werden ist auch schön. Ein ganz anderes Setting und Ambiente. Ich vermute, dass mir das mit dem zu viel essen dort eher nicht passiert…

    Zum Glück sind zumindest meine Urlaubs-Buffet-Erfahrungen anders. Alle Hotels, in denen ich Buffet genutzt habe, haben es gut organisiert und das Essen war wirklich sehr lecker….

    Viele Grüße, Antje

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