Sind sie nach einer Magenverkleinerung eine Alternative zu Zucker?

Süßstoffe nach Magenverkleinerung – sind sie wirklich eine sichere Alternative zu Zucker? Gerade Menschen mit Schlauchmagen oder Magenbypass möchten Zucker vermeiden, um Dumping, Gewichtszunahme oder alte Essmuster nicht zu fördern. Zuckerersatzstoffe wie Erythrit, Xylit, Sucralose oder Acesulfam K wirken dabei wie eine einfache Lösung: süß genießen, aber ohne Zucker und ohne klassische Zucker-Kalorien.

Lange Zeit galt die Annahme, dass diese Stoffe den Körper nur „süß schmecken lassen“, ohne dass es Auswirkungen auf Stoffwechsel oder Gesundheit hat. In den letzten Jahren sind aber einige Studien erschienen, die genau diese Vorstellung relativieren. Diskutiert wird, ob durch diese Stoffe hormonelle Effekte über die Darm-Hirn-Achse, mögliche Veränderungen des Mikrobioms und – insbesondere bei Zuckeralkoholen wie Erythrit und Xylit – Zusammenhänge mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen entstehen.

Was bedeutet das nun konkret für dich nach einer bariatrischen Operation? Ich habe etwas genauer in die Studein geschaut, erkläre die Unterschiede zwischen Süßstoffen und Zuckeraustauschstoffen und helfe dir, eine bewusste, informierte Entscheidung für deinen Alltag zu treffen – ohne Drama, aber auch ohne Verharmlosung.

Welche Zucker-Ersatzstoffe meinen wir eigentlich?

Im Alltag wird schnell alles als „Süßstoff“ bezeichnet, fachlich unterscheiden wir aber zwei Gruppen: Zuckeraustauschstoffe – also die sogenannten Zuckeralkohole – und intensive Süßstoffe.

Zuckeraustauschstoffe: Xylit, Erythrit & Co.

Zu den Zuckeralkoholen gehören zum Beispiel Xylit und Erythrit. Sie sehen Zucker sehr ähnlich, haben Volumen und lassen sich zum Beispiel beim Backen fast genauso verwenden.

Xylit (und andere Stoffe, die auf -it enden) liefert etwa 2,4 Kilokalorien pro Gramm, also ungefähr halb so viel wie Zucker.
Erythrit nimmt eine Sonderstellung ein. Es wird zu einem großen Teil im Dünndarm aufgenommen, gelangt ins Blut, wird aber nicht weiter verstoffwechselt, sondern über die Niere ausgeschieden. Deshalb liefert es praktisch keine verwertbare Energie.

Wichtig ist hier: „aufgenommen“ heißt nicht automatisch „kalorienreich“, aber eben auch nicht „wirkungslos“.

In den letzten Jahren wurden große US-Studien veröffentlicht, in denen höhere Blutspiegel von Erythrit beziehungsweise Xylit mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse in Zusammenhang gebracht wurden. Hier kannst du nachlesen, worum es genau geht.

 

Intensive Süßstoffe: Sucralose, Acesulfam K, Steviolglykoside

Die zweite Gruppe sind die intensiven Süßstoffe. Dazu gehören Sucralose, Acesulfam K und Steviolglykoside. Chemisch sind sie sehr unterschiedlich – vom chlorierten Zuckerderivat bis hin zum pflanzlichen Extrakt. Was sie verbindet, ist ihre Wirkung: Sie aktivieren den Süßrezeptor.

Und sie sind extrem süß, sodass winzige Mengen ausreichen. Deshalb finden wir sie in kleinen Fläschchen, Proteinpulvern, Getränkepulvern, Flavor-Drops, Light-Getränken oder Süßstofftabletten.

Für diese Gruppe gibt es bislang keine vergleichbar großen kardiovaskulären Kohortenstudien wie bei Erythrit und Xylit. Aber es gibt durchaus Hinweise darauf, dass auch Süßstoffe hormonelle und mikrobielle Effekte haben.

 

Was passiert mit Süßstoffen und Zuckeralkoholen im Körper?

Zunächst einmal eine Beruhigung: Diese Stoffe sind zugelassen und für die Mehrheit der Bevölkerung nicht akut gefährlich. Lebensmittelzusatzstoffe müssen geprüft werden. Andererseits bedeutet „nicht giftig“ nicht automatisch „biologisch neutral“.

Süßrezeptoren und hormonelle Signale

Süßrezeptoren sitzen nicht nur auf der Zunge, sondern auch im Darm. Sie sind Teil der sogenannten Darm-Hirn-Achse. Wenn dort ein Süßsignal ankommt, kann der Körper hormonell reagieren. Es geht um Hormone wie GLP-1, Insulin oder Ghrelin.

Es gibt die Hypothese, dass der Körper das Süßsignal registriert, Glukose erwartet, aber keine bekommt und trotzdem hormonell reagiert. Diese sogenannte Täuschungs-Hypothese ist nicht abschließend bewiesen, aber klar ist: bei vielen Menschen reagiert der Körper auf Süßreize – auch ohne Zucker.

Darm und Mikrobiom

Zuckeralkohole werden nicht nur im Dünndarm aufgenommen, ein Teil wird auch im Dickdarm fermentiert wird – es gärt also. Das erklärt, warum manche Menschen auf größere Mengen mit Blähungen oder Durchfall reagieren.

Zum Mikrobiom gibt es Hinweise, dass Süßstoffe Veränderungen bewirken könnten, die ein Erklärungsansatz dafür sein könnten, dass Menschen trotz der Ersatzes von Zucker mit Süßstoffen nicht nennenswert abnehmen . Tierstudien zeigen das relativ deutlich, beim Menschen sind die Daten weniger eindeutig. Es gibt zwar Hinweise, aber keine klaren Beweise für Schäden bei normalem Gebrauch. Die Forschung bleibt dran…

Gefäße und Blutgerinnung

Die Studien zu Erythrit und Xylit haben vor allem deshalb Aufmerksamkeit erregt, weil sie gezeigt haben: Diese Stoffe gelangen ins Blut, und höhere Spiegel waren mit kardiovaskulären Ereignissen assoziiert (das ist der wissenschaftliche Ausdruck für z.B. vermehrte Schlaganfälle und Todesfälle im Zusammenhang mit Herzversagen). Aber: Assoziation bedeutet nicht Ursache. Man kann aufgrund der Studien feststellen, dass Xylit und Erythrit Wirkungen auf die Blutgerinnung haben können, aber noch nicht genau, wie und ob das für Jede/n gilt.

Ein nüchternes Zwischenfazit lautet deshalb: Sie sind kein Gift – aber auch kein Nullfaktor.

 

Wo tauchen Süßstoffe in deinem Essen auf?

Im Alltag geht es nicht um eine einzelne Portion, sondern darum, wie sich Zuckeralkohole und Süßstoffe in deinem Speiseplan verteilen.

Ein Proteinshake am Tag ist etwas anderes als mehrere süßstoffgesüßte Produkte über den gesamten Tag verteilt. Proteinriegel enthalten häufig Zuckeralkohole in relevanten Mengen. Flavor-Drops sind hochkonzentriert – wenige Tropfen, aber vielleicht mehrfach täglich. Und beim Backen mit Erythrit oder Xylit kommen schnell größere Gramm-Mengen zusammen.

Es mach also möglicherweise einen Unterschied, ob du sie ab und zu verwendest oder ob sie deine ständigen Begleiter sind. Es gibt zwar für einzelne Stoffe Mengenempfehlungen, aber ab wann es bedenklich wird, kann niemand genau sagen.

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In welchen Lebensmitteln werden Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe eingesetzt?

Entscheidend ist weniger das einzelne Produkt als dein Muster im Alltag. Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe stecken vor allem in typischen „High-Protein-“ oder „zuckerfreien“ Produkten – und je nachdem, wie häufig du sie nutzt, bekommt das Thema ein anderes Gewicht.

Proteinpulver sind meist mit intensiven Süßstoffen wie Sucralose, Acesulfam K oder Steviolglykosiden gesüßt. Die Mengen sind klein, weil diese Stoffe extrem süß sind. Wenn du ab und zu einen Shake trinkst, ist das in der Regel kein großes Thema. Wenn aber täglich ein oder zwei Portionen dazukommen, dann ist das einfach eine regelmäßige Aufnahme.

Auch Proteinpuddings und fertige Eiweißdrinks gehören hierher. Sie sind fast immer mit intensiven Süßstoffen gesüßt, häufig mit einer Kombination aus Sucralose und Acesulfam K. Einige meiner Klientinnen essen so einen Pudding täglich, manchmal sogar mehrmals. Kalorienmäßig passen sie gut ins Konzept – aber sie sind eben auch eine dauerhafte Quelle intensiver Süße. Wenn solche Produkte zur festen Routine werden und kompletteMahlzeiten ersetzten (siehe unten), lohnt sich ein genauer Blick.

Aroma-Drops, Water-Drops oder andere Aromapulver funktionieren ähnlich: wenige Tropfen, viel Süße. Meist basieren sie auf Sucralose oder Acesulfam K. Einzelne Anwendungen sind gering dosiert. Wenn aber jedes Getränk aromatisiert wird, sammelt sich über den Tag hinweg mehr an, als man vielleicht denkt.

Proteinriegel sind noch einmal anders. Hier werden häufig Zuckeralkohole wie Maltit, Sorbit, Erythrit oder Xylit eingesetzt, weil sie Volumen und eine ähnliche Konsistenz wie Zucker liefern. In einem einzelnen Riegel können mehrere Gramm enthalten sein. Wenn so ein Riegel regelmäßig eine Mahlzeit ersetzt, ist das physiologisch keine Kleinigkeit mehr.

Auch beim Selbstbacken mit Erythrit oder Xylit kommen schnell größere Mengen zusammen. Anders als intensive Süßstoffe werden Zuckeralkohole nicht tropfenweise, sondern löffelweise verwendet. Ein komplett mit Erythrit gesüßter Kuchen enthält deutlich mehr Substanz als ein einzelner Joghurt mit Süßstoff.

Und dann gibt es noch Light- und Zero-Getränke. Sie enthalten meist intensive Süßstoffe wie Aspartam, Acesulfam K oder Sucralose. Kalorienmäßig sind sie günstiger als zuckergesüßte Varianten. Was mögliche Effekte auf Hormone oder Darm betrifft, ist die Datenlage nicht eindeutig. Auch hier spielt die Menge eine Rolle.

Der Punkt ist also nicht das einzelne Produkt. Es geht um die Gesamtheit deiner täglichen Süßstoff- oder Zuckeralkohol-Aufnahme. Ein gelegentlicher Einsatz ist etwas anderes als eine Ernährung, die überwiegend aus süßstoffgesüßten Ersatzprodukten besteht.

Und genau hier beginnt die eigentliche Frage: Nutze ich Zuckeralkohole und Süßstoffe bewusst und dosiert– oder sind sie zur stillen Grundlage meiner Ernährung geworden?

Wie viel Süßungsmittel sind für dich okay?

Deshalb lohnt es sich, ehrlich hinzuschauen. Diese Fragen helfen dir weiter :

  • Nutze ich diese Produkte gelegentlich oder mehrfach täglich?
  • Ergänzen sie meine Ernährung oder ersetzen sie Mahlzeiten?
  • Nutze ich sie aus bewusster Entscheidung oder vor allem aus Angst vor Zucker?
  • Lösen sie bei mir Heißhunger aus oder helfen sie mir tatsächlich, stabil zu bleiben?
  • Und ganz wichtig: Wie sieht meine Basisernährung insgesamt aus?

Ein Eiweioßshake oder Proteinpudding liefern dir zwar eine solide Portion Eiweiß, aber kaum Ballaststoffe, kaum komplexe Kohlenhydrate und kaum gesunde Fette. Er kann für ab und zu hilfreich sein – sollte aber nicht dauerhaft echte Mahlzeiten verdrängen.

Wenn du unsicher bist, hier noch einmal der Hinweis, dass du natürlich auch nach der OP nochmal bei deiner Ernährungsberaterin für eine „Auffrischung“ andocken darfst! Gerade das Justieren, wie viel gesüßtes Essen für dich in Ordnung ist, zeigt wunderbar, dass Ernährung nichts ist, was man einmal lernt und dann für immer perfekt macht. Gerade nach einer bariatrischen Operation darf nachjustiert werden. (Hier findest du Infos zu meinem Beratungsangebot nach der Magen-OP.)

 

Wie halte ich als Ernährungsberaterin es mit Süßstoffen und Co.?

Ich persönlich schmecke viele Süßstoffe deutlich heraus und nutze sie deshalb fast nie. Ich verwende ab und zu Proteinpulver mit Geschmack, aber ich esse eher mal einen normal gesüßten Kuchen oder selbst gekochen Pudding als an dieser Stelle einzusparen.

Der Gedanke, dass Süßstoffe langfristig beim Abnehmen helfen, überzeugt mich nicht wirklich. Kurzfristig können sie helfen, Zucker zu reduzieren, langfristig ersetzen sie keine stabile Essstruktur. Auch die Weltgesundheitsorganisation ist davon abgekommen, Süßstoffe als Teil einer abnehmförderlichen Ernährung zu empfehlen.

Für mich ist die wichtigere Frage nicht: „Wie kann ich weiterhin sehr süß essen – nur ohne Zucker?“ Sondern: Wie finde ich insgesamt einen entspannten, tragfähigen Umgang mit Süßem?

 

Fazit

Wie so oft: Es gibt keine einfache Antwort. Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe sind für die Mehrheit nicht akut gefährlich, sie sind aber auch nicht völlig neutral. Sie können hormonelle Signale beeinflussen, im Darm wirken und stehen zumindest im Zusammenhang mit kardiovaskulären Risiken bei bestimmten Konstellationen.

Deshalb lohnt sich ein bewusster Umgang. Nicht aus Angst – sondern aus Klarheit. Schau auf dein Muster, auf deine Menge, auf dein „Warum“. Und mach dir bewusst: Der reine Austausch von Zucker gegen einen Ersatzstoff ist nicht das, was eine gesunde Ernährung ausmacht.

Ein stabiles Gewicht und gute Gesundheit entstehen nicht dadurch, dass wir Süße nur anders organisieren. Sie entstehen durch insgesamt ausgewogenes, mengenangepasstes Essen, durch eine nährstoffreiche Basis, durch Struktur – und durch einen entspannten Umgang mit Lebensmitteln. Süßstoffe können eine sinnvolle Unterstützung sein. Aber sie ersetzen keine tragfähige Ernährungsgrundlage. Am Ende geht es nicht darum, Süße anders zu organisieren, sondern darum, wie stabil und bewusst du insgesamt mit Essen umgehst.

Und jetzt interessiert mich deine Erfahrung:

Wenn du gute Erfahrungen mit Süßstoffen oder Zuckeraustauschstoffen gemacht hast, dann schreib das gern in die Kommentare. Wenn du gemerkt hast, dass sie bei dir Heißhunger auslösen oder dein Essverhalten eher komplizierter machen, dann schreib das ebenfalls. Ich freu mich, von dir zu lesen!