Die Reise zu deinem neuen Gewicht….sie ist ja wirklich kein Spaziergang, sondern eher eine lange Reise mit vielen Stationen, auf denen du eine Menge Neues und Ungewohntes lernst. Du hast dich entschieden, dass die Magenverkleinerungs-Opersation ein Meilenstein auf der Reise wird. Jetzt näherst du dich langsam dem „Check-In“ für diese wichtige Etappe – der Eiweißphase vor der Adipositas-OP.

Und falls du verwirrt bist, weil du nicht weißt, was es mit Flüssig-, Brei- und Eiweißphase auf sich hat: das kann ich verstehen, die Begriffe werden oft durcheinandergebracht. Ich entwirre sie heute und in der nächsten Woche für dich. Damit du beim Borarding im Krankenhaus gut vorbereitet bist, kommt hier erst einmal die Antwort auf die Frage: Ist die Eiweißphase vor der OP dasselbe wie die Flüssigphase? 

 

Eiweißphase vor der Adipositas-OP: darum macht man sie

In vielen Adipositaszentren wird empfohlen, vor der Operation eine zwei- bis dreiwöchige Eiweißphase einzuhalten. Um den Sinn zu verstehen, kann man die Definition besser umkehren und deutlich sagen, was in dieser Zeit nicht auf dem Speiseplan stehen sollte – nämlich Kohlenhydrate.

Indem du in dieser Zeit alle Kohlenhydrate weglässt, entlastest du die Leber, die eine wichtige Rolle bei der Verarbeitung spielt. Sie wird kleiner und weicher. Davon merkst du wahrscheinlich erst einmal nichts – aber deine OP soll dadurch einfacher werden. Um an deinen Magen heranzukommen, müssen die Chirurgen die Instrumente an der Leber vorbei navigieren. Und je „normalformatiger“ und so weicher sie ist, desto besser geht das und desto einfacher ist der Eingriff. Für die Chirurgen und für dich.

 

 

Darf man in der Eiweißphase nur Shakes trinken?

Wenn die Ansage wäre: 3 Wochen vor der OP nichts mehr essen, sondern nur noch Eiweiß-Shakes trinken, hätten wir ja eine klare Richtlinie und man könnte Eiweiß- oder Flüssigphase dazu sagen.

Ja, man kann das so machen und ich habe auch von einigen Kliniken gehört, die das empfehlen. Ich habe dazu eine andere Meinung. Es gibt für mich nach keinen Grund, vor der OP nicht zu kauen. Im Gegenteil: je besser du die Wochen vor der OP dafür nutzt, dich mit den Zutatenlisten deiner Lebensmittel vertraut zu machen (wie viele Kohlenhydrate und wie viel Eiweiß ist drin?), desto besser kommst du hinterher zurecht.

Zu üben, eine angemessen große Portion Fleisch und Gemüse/Salat gut zu kauen, schult dein Sättigungsgefühl und deine Geschmacksnerven. Und jetzt schon zu testen, welche Alternativen du das Brot zum Frühstück oder Pasta zum Mittagessen magst, hilft dir auch nach der OP.  

 

Verwirrung durch bekanntes Kochbuch für Adipositas-OP

Möglicherweise ist die Gleichsetzung Flüssigphase = OP-Vorbereitungsphase auch dadurch mit entstanden, dass Dr.Heike Raab in ihrem Buch „Gut essen rund um die Adipositas-OP“ auch den Begriff Flüssigphase für diese Zeit verwendet (in der 1. Auflage von 2016 auf S.29) .

Die Empfehlungen dort sind tatsächlich auf flüssige Speisen ausgerichtet, aber die Rezepte sind nicht streng kohlenhydratarm,  Du kannst das natürlich dafür nutzen, dich im „Rezepte abwandeln“ zu üben. Welche Kriterien für die am häufigsten empfohlene Eiweißphase wichtig sind, kommt im nächsten Abschnitt.

Ansonsten finde ich das Buch allerdings richtig gut! Voll mit einfach erklärtem Basis-Wissen und richtig leckeren Rezepten. (Juristisch korrekt sollte ich jetzt hier „Werbung“ schreiben, weil ich etwas empfehle, auch wenn ich dafür nichts bekomme und dir sogar zutraue, das Buch beim Buchladen vor Ort oder im Netz auch ohne direkte Verlinkung zu finden.)

 

Darauf kommt es in der Eiweißphase an

Meistens empfehlen die Adipositaszentren, die letzten 2 bis 3 Wochen vor der OP eine richtig strenge Diät einzuhalten. Die wichtigsten Dinge, die du beachten sollst: 

  • Iss so wenig Kohlenhydrate wie möglich, d.h.
  • Brot, Kartoffeln, Reis, Nudeln (= alle Lebensmittel aus Getreide bzw. mit Stärke) weglassen
  • Alles, was verarbeiteten Zucker enthält, ist ebenfalls tabu.
  • Obst ist meistens mit maximal einer Hand voll (ca.150g) pro Tag erlaubt.
  • Ob du den Milchzuckergehalt von Joghurt, Quark, Milch und Co. berücksichtigen solltest, klär bitte mit deinem Adipositaszentrum.
  • iss 3 Mahlzeiten mit möglichst nicht mehr als 600-800 ckal pro Tag
  • trinke mindestens 2-3 Liter Wasser (möglichst still), besser mehr (mehr dazu kannst du hier nachlesen)
  • iss zu jeder Mahlzeit je eine große Portion Eiweiß und Gemüse
  • lass alle Zwischenmahlzeiten weg

Zusätzlich wird empfohlen, spätestens dann das Rauchen einzuschränken oder komplett zu lassen. Dass Alkohol in der Zeit auch nicht auf dem Plan stehen sollte, ergibt sich allein schon aus dem Kaloriengehalt.

 

Mahlzeiten aus Eiweiß und Gemüse

Die Kombination Gemüse-Eiweiß ist bei der warmen Hauptmahlzeit am leichtesten einzuhalten:  eiweißhaltige Lebensmittel wie Fleisch, Fisch, Eier und alle Arten von Milchprodukten kombiniert mit allem, was dir an Gemüse über den Weg läuft.

Beim Frühstück oder dem Abendessen ist es schon schwieriger, sich umzustellen: wenn du bisher eher süß gefrühstückt hast, bietet sich morgens eine Quarkspeise mit Obst und einigen Nüssen an – oder du steigst um auf ein „amerikanisches Frühstück“: Eier und Speck sind in dieser Zeit beliebt.

(Übrigens: wenn du dich vor dem 21.9.19 für den Newsletter einträgst, bekommst du ein besonderes Rezept. Im Newsletter findest du den Link zu einem ungewöhnlichen Rote-Beete-Dip, den du zu einer Suppe abwandeln kannst. Schließlich sollst du ja auch in der Eiweißphase lecker essen!)

 

 

Ein Eiweißshake pro Tag

Eine Mahlzeit (in manchen Empfehlungen auch zwei) soltest du durch einen Shake ersetzen. Einerseits ist es eine schöne Möglichkeit, es dir bei der Zubereitung einmal am Tag leicht zu machen. Andererseits ist es gut, zu testen, welche Sorten dir gut schmecken und bekommen. Wenn es dann nach der OP knapp wird mit der Eiweißversorgung über das Essen, hast du noch einen „Nährstoff-Joker“ auf der Hand. 

 

 

Wie streng muss man sich an die Eiweißphase halten? 

Es wird nach wie vor darüber gestritten, ob die Eiweißphase tatsächlich dazu führt, dass sich die Leber verändert und ob diese harte Diätphase wirklich sein muss. Manche Kliniken verzichten ganz darauf. 

Fakt ist: du bekommst es nur heraus, indem du es machst. Dass nicht jeder Mensch es schafft, es zu 100% durchzuhalten, ist klar und keine OP wird abgesagt, weil du an 3 von 21 Tagen ein Brot gegessen hast oder wenn du 2 Tage vor der OP noch einmal essen gehst.  

Der große Vorteil, den du im Gegensatz zu ähnlich strengen Diäten diesmal hast: du weißt, dass sich am Ende das Tor zu OP und damit zu einem wichtigen Hilfsmittel für „danach“ öffnet. Je öfter du dir in diesen 3 Wochen beweist, dass du auch durchhalten kannst, wenn es dir schwerfällt, desto selbstbewusster gehst du in die OP. Wenn du es schaffst, das als „Übergangsritual“ in deinen neuen Ess-Alltag zu sehen und stolz auf das zu sein, was du bisher geschafft hast, kannst du mit der Eiweißphase Kraft und Mut tanken.

 

Mit Unterstützung geht es leichter

Zusammen geht vieles leichter. Wenn du dich mit Menschen austauschen möchtest, die die Eiweißphase schon hinter sich haben, oder wenn du ein Forum suchst, in dem deine Fragen zur Eiweißphase stellen kannst: es gibt sowohl bei den Selbsthilfegruppen vor Ort als auch auf Facebook immer Gelegenheit, dir Meinungen und Rat zu holen, auch wenn dein Adipositaszentrum und deine Ernährungsberaterin gerade nicht erreichbar sind.

In meiner Facebook-Gruppe „Adipositas-OP – mein Weg“ beantworte ich auch Fragen und es gibt eigentlich immer jemanden in meiner sehr wertschätzenden Community, die dich ermutigen kann. Mit einem Klick auf den Link kannst du dich anmelden. 

 

Und nach der OP kommt die „echte“ Flüssigphase

Im nächsten Blogartikel stelle ich dir die „echte“ Flüssigphase vor. Die kommt für die meisten nämlich als erster Teil des Kostaufbaus nach der OP.  Wenn ich dich infromieren soll, sobald der Artikel online geht, trag dich einfach unten für meine kostenlosen Newsletter ein.

Ich wünsche dir für deine Reise zu neuen Gewicht eine ermutigende Zeit mit viel gutem Essen,  mit Durchhalteenergie und Optimismus!

Herzlich, Deine Antje