Wenn du nach dieser Überschrift weitergelesen hast, vermute ich mal, dass es ein paar sorgenvolle Fragen gibt, die du dir heimlich oder offen gestellt hast. Wenn Du eine Adipositas-OP planst oder gemacht hast oder „nur“ schon ganz oft mit deinen Abnehmversuchen gescheitert bist und jetzt überlegst, noch einen Diät – Anlauf zu nehmen, gibt es bei den allermeisten natürlich ein paar Sorgen. Und ganz selten traut sich mal jemand, sie laut zu stellen.

(Wenn du jetzt mit dem Kopf schüttelst und du dir überhaupt nicht vorstellen kannst, was das mit den Sorgen soll – Klasse, da beneide ich dich ein bißchen. Ja, es gibt die „Gradeaus-Durchmarschierer“, die beschließen:“ Ich mach das jetzt mit der OP“, tun, was getan werden muss, sich operieren lassen, abnehmen und damit richtig glücklich sind. Und ich freu mich, wenn es bei dir alles so klappt, wie du dir das vorstellst oder du mit Hürden beim Abnehmen locker und gelassen umgehen kannst.

 

Dieser Artikel ist für die anderen. Er ist für dich, wenn du einen oder zwei oder viele Schlenker mehr brauchst, bis Du dich entschließen kannst. Wenn du Dir Gedanken darüber machst, was schief gehen könnte. Schließlich hast Du schon öfter erlebt, dass Abnehmen nicht nur positive Folgen hatte für dich. Ich schreibe ihn für Dich, wenn Du die OP machen willst, obwohl du Angst hast. Und für dich, wenn Du die Hoffnung hast, auch ohne OP abnehmen zu können, wenn Du Dir Deine Sorgen mal freundlich anschaust. Oder wenn du merkst, dass es auch mit der OP noch Probleme in deinem Leben gibt, die angeschaut werden möchten, damit die alten Ess-Muster deinen OP-Erfolg nicht gefährden.

Ich lese in einigen Gruppen zu Adipositas-OPs mit und besuche auch regelmäßig die Selbsthilfegruppen in meiner Umgebung. Dabei ist mir bei einer Unterhaltung neulich aufgefallen, dass auf die Frage: „Gibt es hier noch jemanden, der große Angst davor hat, das XXX“  die meisten Antworten eher in die Richtung gingen: „Nein, das hatte ich gar nicht“   Einige fragten zurück „Wieso sollte ich denn Angst vor der OP und den Folgen haben? Schließlich hat sie mir mein Leben gerettet.“ Sind die Sorgen-Gedanken wirklich so selten??

Könnte man denken. Das passt aber überhaupt nicht zu meinen Erfahrungen in den Beratungen, besonders vor der OP. Da erlebe ich öfter, dass – manchmal eher in Nebensätzen –  es doch eine ganze Mange Fragen und Zweifel auftauchen, was die „Nebenwirkungen“ eines so entscheidenden Eingriffs wie einer Magenverkleinerung angeht. Interessanterweise verstehen ein bis zwei Jahre nach der OP viele Operierte nicht mehr, wie man sich nur so viele Gedanken im Vorfeld machen kann. Besonders wenn die Anfangshürden genommen sind, das Gewicht und die Gesundheit sich gut entwickeln, neigt man dazu, die Sorgen, die vorher im Kopf waren und die Schwierigkeiten, die es nach der OP vielleicht gegeben hat, zu vergessen.

 

Diese Fragen stellen sich viele:

Ich zähle mal ein paar diese Sorgen-Fragen auf, die mir schon öfter begegnet sind. Natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Schau mal, ob „deine“ dabei ist oder ob dich ein ganz anderes Thema offen oder heimlich beschäftigt:

  • Was, wenn ich auch diesmal versage und nicht wirklich abnehme?
  • Was ist, wenn ich keinen Spaß mehr am Essen habe?
  • Was ist, wenn bei der OP etwas schief läuft?
  • Was ist, wenn ich trotzdem wieder Heißhunger bekomme?
  • Was ist, wenn ich mich hinterher so verändere, dass meine Beziehung dabei kaputt geht?
  • Was ist, wenn ich meinen Schutzpanzer nicht mehr habe?
  • Was, wenn ich dann auf einmal wieder als Frau wahrgenommen werde?
  • Was, wenn ich zu viel abnehme und zu dünn werde?
  • Was, wenn ich zugeben muss, dass ich es alleine nicht geschafft habe?
  • Was, wenn ich immer wieder in alte (Ess-)Muster falle?

 

 

Warum ist es gut, „heimliche“ Sorgen auszusprechen

Sorgenvolle Gedanken haben eine unangenehme Eigenschaft. Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass solche fiesen „Was-wäre-wenn“- Gedanken um so mächtiger und bedrohlicher sind, je mehr wir versuchen, sie zu unterdrücken und zu ignorieren. Sie rumoren im Inneren weiter und sorgen oft dafür, dass du dich trotzdem mit ihnen beschäftigst. Nur eben indirekt.

Bei manchen bewirkt das eine Angst, die es schwerer macht, das Leben positiv zu sehen. Oder sind der versteckte Grund im Hintergrund, wenn ich meine Diät wieder nicht durchhalte. Wenn ein Teil von mir Angst hat – auch wenn ich das nicht bemerke – „sorgt“ er manchmal dafür, dass das wovor er Angst hat nicht passiert.  Wenn es in meiner Beziehung insgeheim wichtig ist, dass ich dick bleibe, esse steht das Gewicht. Und wenn ich Angst und Ärger schon immer mit Essen beruhigt habe….du kennst das ja wahrscheinlich. Dagegen kommt keine Disziplin an.

 

So kannst du deine Angst-Fragen positiv nutzen

Was uns oft davon abhält, diesen Sorgen-Gedanken mal Platz zu geben, ist die Tatsache, dass wir in den Angst- und Stress-Situationen selber wie „ferngesteuert“ reagieren. Der Urinstinkt „Kampf oder Flucht“ lässt keinen Platz für eine bewusste Entscheidung. Es fühlt sich erstmal  so richtig Sch*** an, wenn man dem Sorgen-Gedanken mal erlaubt, sich so richtig auszubreiten. Und in dieser Erstarrung bleiben wir allein meistens stecken und nehmen den gewohnten Ausweg, nämlich essen.

Wenn du dich aber mal trauen willst, diese Fragen mit ein wenig Abstand anzuschauen (und wenn du in der Lage bist, diesen Artikel zu lesen, vermute ich, dass du nicht gerade ganz tief drinsteckst), habe ich ein paar Fragen, mit denen du in Gedanken mal einen anderen Weg einschlagen kannst. Und ganz oft nimmt das den Sorgen ihre bremsende Macht, rückt sie auf ein realistisches Maß zurecht und öffnet den Blick für deine Möglichkeiten.

Wenn dir also eine Frage oder Sorge immer wieder im Kopf rumspukt, kannst du dir mal eine (halbe?) Stunde Zeit nehmen und dich mit einem Tee, einem Stift und mehreren Zetteln an einen ruhigen Ort zurückziehen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie hinterher zumindest kleiner oder anders  ist. Vielleicht ist sie sogar verschwunden?

 

 

1. atmen und spüren

Nimm einige bewusste Atemzüge. Ob du lieber absichtlich tiief ein- und ausatmest oder nur wahrnimmst, wo du den Atem jetzt spürst, kannst du ausprobieren. Nimm wahr, ob und wo in deinem Körper du eine Anspannung bemerkst, wenn du an deine Sorge denkst.

 

 

2. genau be-schreiben

Auf einem losen Blatt schreibe so genau wie möglich auf, worum du dir Sorgen machst. So unzensiert, wie du dich traust. Und so ausführlich, wie du magst. Wenn dir der Gedanke unangenehm ist, das hinterher noch einmal zu lesen, oder es blöd wäre, wenn jemand anders es liest, spick jetzt schonmal bei Punkt 5 ;). Aber vorher kannst du…

 

 

3. neue Fragen stellen

…dir deine Sorgen noch einmal mit einer Frage im Kopf durchlesen, die dir hilft, deine Aufmerksamkeit auf etwas Positives zu lenken. Das kannst du mit verschiedenen Fragen ausprobieren. Hier einige Beispiele:

  • stimmt das wirklich?
  • Was kann ich tun, damit meine Sorge kleiner wird oder nicht mehr nötig ist?
  • Wen oder was sollte ich berücksichtigen, der/die mit meiner Sorge etwas zu tun hat?
  • Wenn ich mir keine Sorgen um….machen müsste, was würde ich dann tun?
  • was wäre denn das schöne Gegenstück von dem, was ich geschrieben habe (was, wenn das, was ich vorhabe, gut wird)?
  • oder auch: was ist das Schlimmste, was passieren könnte? (das passt nicht ins Positiv-Schema, hilft aber manchmal auch)

 

4. neues Drehbuch schreiben

Bei den „neuen“ Fragen entsteht meistens wieder Platz für positive oder ermutigende Bilder im Kopf.  Du darfst anschließend mal aufschreiben, wie sich deine Vorstellung entwickelt, wenn sie nicht mehr „Sorge“ heißt, sondern was möglich wird, wenn du dich entscheidest, das Thema „abnehmen“ jetzt noch einmal Schritt für Schritt mit Unterstützung anzugehen. Nimm dazu am besten ein neues Blatt. Die aufgeschriebenen Sorgen kannst du nämlich jetzt entsorgen.

 

5. Ballast abwerfen

„Was brauche ich jetzt nicht mehr?“ ist die Frage für den Schluss.  Wenn du willst, kannst du deine aufgeschriebenen Sorgen jetzt verbrennen oder schreddern, im Klo runterspülen oder im Wald vergraben. Ich finde verbrennen am besten. Das hat nochmal eine ganz schöne, befreiende Wirkung. Dazu gibt es ein nettes Video eines buddhistischen Mönchs. Wenn ich es noch finde, verlinke ich es.

 

6. „Welches ist der nächste Schritt?“

Als Abschluss kannst du noch einmal deine Aufmerksamkeit auf das lenken, was du als nächstes tun willst. Überleg dir einen kleinen, schnell umsetzbaren Schritt, den du als nächstes unternehmen willst, um auf deinem Weg zu deinem Wunschgewicht, deiner Gesundheit, deiner Zufriedenheit mir dem Essen heute unternehmen wirst.

 

 

 

Ich bin gespannt, was du mit diesen Gedanken anfangen kannst. Wenn du dich dazu austauschen möchtest, lade ich dich herzlich in meine frisch renovierte  Facebook-Gruppe „Adipositas-OP-mein Weg?“  ein. Dort kannst du mir Fragen stellen und dich mit anderen austauschen, die sich auch auf mit dem Thema Adipositas-OP beschäftigen.

 

Herzlich, Antje