Mit diesen 7 Fragen entscheidest du, was dir gut tut

In der ersten Zeit nach der Adipositas-OP bist du wahrscheinlich intensiv damit beschäftigt, dich in deinen neuen, gesunden Ess-Alltag einzufinden. Wenn du in einem guten Adipositas-Zentrum betreut wirst, bekommst du entweder dort oder bei einer externen Ernährungsberaterin alle wichtigen Infos für den so genannten „Kostaufbau“ nach der OP. Aber das Leben besteht ja nicht nur aus vernünftigem Essen. „Ob ich wohl mal wieder ein Stück Kuchen (ein paar Chips, eine Cola, was-auch-immer-du-so-richtig-lecker-findest) probieren kann?“ – diese Frage lese ich täglich in den großen Facebook-Gruppen.

Bei einer Ernährungsberaterin taucht die Frage oft gar nicht auf. Weil ja klar ist, dass es bei den „Lust-Snacks“ nicht um gesund geht, fürchten viele, dass sie dort schief angeschaut werden. Aber wir essen ja nicht nur, um gesund zu sein, auch wenn das für die meisten meiner KlientInnen der größte Gewinn aus der OP ist. Genuss ist so wichtig für dein Wohlbefinden, dass du es verdienst, auch Dinge zu essen, die dir gut schmecken. Ich habe mal für dich überlegt, welche Kriterien dir helfen können, das selber gut zu entscheiden.

Mahlzeit oder Snack

Wenn du noch in der Phase kurz nach der OP bist und nach 3-4 Bissen für Stunden „abgefüllt“ bist, kann es gut sein, dass 3 Kekse oder ein Riegel Schokolade oder ein Hand voll Chips dich so satt machen, dass sie eine Mahlzeit ersetzen. Das „Risiko“, dass du damit eingehst, wenn du häufig Süßes statt einer echten Mahlzeit isst: dir fehlen wichtige Nährstoffe und das macht sich kurzfristig mit Problemen wie Dumpings * und langfristig mit Mangelerscheinungen bemerkbar.

Esse ich den Snack zusätzlich zu meinen Mahlzeiten oder lasse ich dafür ein gesundes Essen weg?

Wenn du schon größere Portionen verträgst, sind Süßes und Co. wahrscheinlich eher ein Snack. Wenn du dann darauf achtest, dass du mit deinen Hauptmahlzeiten gut mit gesundem Essen versorgt bist, kann dein Körper die Extra-Kalorien wahrscheinlich gut wegstecken. Vorausgesetzt, du findest bei frage 6 eine gute Antwort.

Liefert es mir Eiweiß?

Ein süßer Erdnuss-Riegel (40 g) liefert dir 8 Gramm Eiweiß. Die gleich Menge Vollmilch-Schokolade 3 Gramm, Bananenchips fast gar keins. Ein Stück Käsekuchen ist eiweißreicher als ein Schokocroissant…. Besonders wenn du noch nicht viel essen kannst oder sowieso Schwierigkeiten hast, genug Eiweiß zu dir zu nehmen, ist das ein guter Anlass, unbedingt auf die Verpackung zu schauen oder ganz einfach in deiner Lieblings-App oder Suchmaschine nach den Nährwerten zu schauen.

Wenn schon Snack, dann mit Eiweiß-Kick!

Wie viel Eiweiß du brauchst, hast du mit deiner Ernährungsberaterin ja schon festgestellt. Falls nein, kannst du dich an der Empfehlung der Leitlinie Adipositaschirurgie orientieren: 1,5 g pro KG Normalgewicht – oder mindestens 60 Gramm pro Tag. ( S. 126). 

Wie viel Zucker esse ich mit diesem Snack?

Wenn du schon dabei bist, auf die Nährwerte zu schauen, ist Zucker das 2. wichtige Kriterium. Rein körperlich ist der zugesetzte Zucker nach wie vor der Nährstoff, den wir am wenigsten brauchen – vorausgesetzt, du hast noch genug Fettreserven, die dein Körper mobilisieren kann. Die kleine Menge Kohlenhydrate, die du über Vollkorn-Getreideprodukte und Kartoffeln zu dir nimmst, reichen aus.

Zucker: für Genuss brauchst du keine große Menge!

Jaaa, ich weiß: das mit dem Genuss. Zucker ist auch nicht per se böse. Die Kunst besteht darin, ein gutes Maß zu halten, auch wenn das nicht immer einfache ist. Auch hier kannst du dich an einer gängigen Empfehlung der WHO orientieren: wer gesund werden/sein/bleiben will, wollte möglichst nicht mehr als 50 Gramm (besser: nicht mehr als 25 Gramm) zugesetzter Zucker pro Tag essen. Der Erdnuss-Riegel liefert 10 Gramm, die Schokolade 22. Ups…

Wenn du überlegst, ob du beim Kekse backen stattdessen auf Zucker-Alternativen umsteigst: das habe ich für dich hier mal getestet.

 

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Wie viele Kalorien hat die Portion, die ich vertrage?

Die letzte Überlegung, bei der dich die Nährwert-Tabelle unterstützt, sind die Kalorien (damit häng indirekt natürlich der Fettgehalt zusammen). Wenn wir beim Beispiel Erdnuss- und Schokoriegel bleiben, bist du bei beiden mit 220 kcal dabei.

Snacks sind fast immer „Extra-Kalorien““

Ob das viel oder wenig ist, hängt von einer Antwort auf die nächste Frage ab.

Eigentlich steckt in dieser Frage noch ein weiteres wichtiges Thema: wie gut vertrage ich Süßes und Fettes? Besonders nach einer Magenbypass-OP fürchten viele das „Dumping-Syndrom“: vielen Operierten wird nach zucker- und fettreichen Speisen übel, Kreislaufprobleme, Schwindel und eine bleierne Müdigkeit legen sie oft stundenlang lahm. Ein wirklich hoher Preis für einen kleinen Snack. Ob das bei dir auch so ist, bekommst du leider nur durch vorsichtiges Aufprobieren heraus.

Wie passt es in meine Tagesbilanz?

Ob für dich bei der „Gesamtenergie“ eher 600 oder 1600 Kalorien ein sinnvolles Tagesmaß ist, hängt ganz stark von deiner Situation ab. Wenn du erst kurz operiert bist, schaffst du vielleicht deutlich unter 1000 Kalorien. Das ist auch völlig in Ordnung, wenn du auf dein Eiweiß und deine Vitamine (Supplemente= Vitamin- und Mineralstoffpräparate nicht vergessen!) kommst und deine Blutwert in Ordnung sind. In der Phase der Umstellung kommt es ja genau dadurch zur starken Gewichtsabnahme.

Wenn du dich deinem Zielgewicht näherst oder es schon erreicht hast, liegt dein Tagesbedarf wahrscheinlich eher zwischen 1200 und 1800 kcal. Je nach Statur und Bewegung auch mehr oder weniger.

Der Schokoriegel hat logischerweise gleich viele Kalorien, egal ob du ihn kurz nach der OP oder mit erreichtem Normalgewicht isst. Aber er ist sozusagen in ein ganz anderen „Warenkorb“ eingebettet.

Wenn die gesunde Basis stimmt, ist ein bißchen Süß okay!

Auch hier finde ich es ganz gut, mit einer Faustregel zu arbeiten: 10% deiner täglichen Kalorien dürfen in Form von Snacks und Extras sein. Also wahrscheinlich in den ersten Monaten nach OP: eine Praline oder einen Keks am Tag und wenn dein Gewicht im Wunschbereich ist und du dich in ein „neues Normalessen“ eingefunden hast, kannst du es ein wenig lockerer sehen.

Ist es wirklich ein Genuss?

Überhaupt – die Menge und der Genuss sind ja 2 Dinge, die wir oft zu Unrecht in einen Topf werfen. In meinen Beratungen forschen wir immer, was wirklich den Genuss ausmacht. Und wie du, wenn du schon etwas Süßes isst, es wirklich genießt.

Ich finde den Ausdruck „ich habe heute mal so richtig gesündigt“, wenn jemand etwas Kalorienreiches, aber Leckeres gegessen hat, richtig bescheuert. Das passt für mich nicht zusammen.

Genuss ist keine Sünde. Es ist eine Sünde, nicht zu genießen.

Wenn du also auf der Suche danach bist, welche Leckereien für dich nach der OP passen, stell dir bitte unbedingt die Frage, ob du es genießt! Auch während du sie isst, nimm dir bitte Zeit.

Beiß ein kleines Stück ab. Beobachte, wie es sich anfühlt, wenn du es kaust oder lutschst. Spüre nach, wie lange es angenehm ist, es zu essen. Und wenn der 3. Bissen nicht mehr lecker ist: bitte leg es weg. Du verdienst es besonders bei den Dingen, die du für den Genuss isst, nur das Beste in der besten Menge zu essen.

Und wenn du merken solltest, dass du etwas isst, um deinen Stress zu bewältigen, mach dir klar, dass es um etwas anderes geht. Wenn es sich anfühlt wie eine Heißhunger-Attacke oder ein Fress-Flash, werden dir die Fragen oben wahrscheinlich nicht gründlich genug weiterhelfen. Dann kannst du hier im Blog unter dem Suchbegriff „Heißhunger“ mehrere Artikel mit griffigen Sofort-Tipps finden.

Ich wünsche dir, dass du mit diesen Fragen ein gutes Gespür dafür entwickelst, welche leckeren Extras einen Platz in deinem Ess-Alltag haben sollen und wie du eine gute Balance zwischen gesundem und leckeren Essen findest. (Übrigens kannst du die meisten Fragen auch nutzen, wenn du gar nicht operiert bist. Das Prinzip ist nämlich dasselbe.)

Austauschen hilft: komm in die Facebook-Gruppe

Diesen Artikel hätte ich wahrscheinlich nicht geschrieben, wenn wir uns nicht in unserer wunderbaren Facebook-Gruppe „Adipositas-OP mein Weg“ regelmäßig darüber unterhalten würden. Danke an alle, die mit ihren Fragen und Erfahrungen dazu beigetragen haben, dass ich diese Fragen für dich finden konnte.

Ob es um Süßes nach der OP geht oder darum, sich zu trauen, etwas Neues auszuprobieren, ob es die Angst vor der Entscheidung ist oder das gemeinsame Feiern von Erfolgen: ich finde den Austausch immer wieder wertvoll und freue mich, wenn du auch mitmachst. Klick einfach auf diesen Link und melde dich an!