Dass Ernährungsberatung nicht immer einen guten Ruf hat, liegt ein bißchen in der Natur der Sache. Essen ist ein Grundbedürfnis. Und daran etwa zu verändern, rüttelt an Gewohnheiten. Je nachdem, auf welche Art du lernst und welcher Typ deine Ernährungsberaterin, kann ein unterschiedlicher Stil auch mal Konflikte verursachen. Ich beschreibe heute mal verschiedene Lerntypen. Am Ende des Artikels weißt du mehr darüber, welche Frage für dich wichtig ist, damit die Beratung gut wird. So dafür sorgen, dass du das, was du an deiner Ernährung verändern willst, auf die Art angehen kannst, die für dich am besten passt. 

 

 

Brauchst du klare Ansage oder Verständnis?

Was erwartest du eigentlich von deiner  Ernährungsberaterin? Soll sie dir klare Ansagen machen und dich „auf den Pott setzen“, wenn du dich nicht an die Vorschriften hältst? Oder geht das gar nicht? 

Darüber habe ich in den letzten Tagen deshalb nachgedacht, weil es in meiner Facebook-Gruppe eine ganz spannende Diskussion gab.

​​​​Eine frisch operierte Teilnehmerin fragte, ob ein Protein-Joghurt-Drink, den sie im Supermarkt gefunden hatte, für sie wohl geeignet sei.

Wie so oft, gab es eine Diskussion um den Zuckergehalt. 
​Eine Antwortgeberin meinte: „das ist zu viel.“ 
​Eine andere darauf: „meine Ernährungsgberaterin​​ hat gesagt, der ist okay.“ 
Die erste: „Dann hat deine EB keine Ahnung von ihrem Job.“

Oha, da hatte sie natürlich in meine Berufsehre gepiekst.​​​ In meiner Antwort an die Fragenstellerin kam nämlich etwas Ähnliches vor, nämlich dass es Situationen gibt, in denen ich einen solchen Drink okay finde.

Anwältin für gutes Essen?

Nach einigen Nachfragen stellte sich ​​heraus, dass der Beratungsstil, den diese Kollegin pflegt, ungefähr so geht:“ Ich bin die Anwältin für gutes Essen. Ich sage Ihnen ganz klar, was gesund ist und was ungesund. Wenn Sie für sich entscheiden, etwas anders zu machen als die Empfehlungen, müssen Sie sich im Klaren sein, dass das nicht okay ist und die Konsequenzen tragen.“ 

Die Klientin hat das für sich so akzeptiert und daraus geschlossen, dass das so ist, wie Ernährungsberatung ​sein muss. Auch wenn sie es ein bißchen ungerecht fand, dass eine Süßigkeit, die sie ehrlicherweise in ihr Protokoll geschrieben hatte, sogar im Abschlussbericht der Beratung als negativ vermerkt wurde.

Einige schrieben sinngemäß: „Ich möchte schon, dass mir eine Beraterin klipp und klar sagt, was ich falsch mache. Eititei nützt mir nichts.“​​

Andere in der Diskussion sagten klipp und klar: „Wenn mir jemand solche​​ Vorschriften macht und überhaupt nicht auf mich eingeht, bin ich raus. Ich will verstehen, warum ich etwas tun soll.“​​

„Die eine“ Ernährungsberatung gibt es nicht

Also bunt gemischte Meinungen und Wünsche. Die eine Regel​​ für eine gute Ernährungsberatung scheint es nicht zu geben. 

Ist auch völlig logisch, weil Menschen nunmal unterschiedlich ticken.

Beim Überlegen sind mir die verschiedenen Lern-Typen  ​​​wieder eingefallen, die ich bei der 
 Erstellung meines „Dranbleiben!“-Kurses kennengelernt habe.  (Wer es genauer wissen will, findet die Typen des „4-Mat-Modell“ in diesem Artikel von Bianca Grünert noch genauer beschrieben).

 

Wie – Warum – Was – Wozu

Es gibt die „Wie-Typen. Sie wollen hauptsächlich wissen, was sie tun sollen. Sie wollen eine klare Ansage, wie etwas geht und sie setzten es dann um. „Trinken Sie Wasser ab jetzt nur noch ohne Kohlensäure. Meiden Sie Süßigkeiten“ „Okay, mach ich.“ Eventuell kommt dann noch die Frage: „We mache ich das am besten?“


Beim „Warum-Typ“ ​​ist das nicht so einfach. „Warum soll ich das tun? Ich brauche eine Erklärung, was ich (kurzfristig) davon habe, Wasser ohne Kohlensäure zu trinken oder Süßes zu meiden.“ Was zum Beispiel in der Beratung vor der Adipositas-OP durchaus eine Herausforderung ist, weil der Nutzen sich nicht sofort zeigt.

„Was-Typen“ wollen Zahlen-Daten-Fakten. Wie viele Kalorien, wie viel Liter Wasser​​, was ist die Wissenschaft dahinter? Mit der Perspektive, 70-80% seines Übergewichts zu verlieren, kann sich dieser Typ gut motivieren. 

Und schließlich die „Wozu“-Typen, die den größeren Zusammenhang sehen müssen. Sie brauchen eine Perspektive, welche Risiken sie vermeiden oder was sie langfristig erreichen, wenn sie die Empfehlungen einhalten​​ und durch den ganzen Prozess gehen. Für sie kommt die Motivation, auf Kohlensäure oder Süßigkeiten zu verzichten, aus der Hoffnung auf einen langfristig stabilen Magen und einem fitten Stoffwechsel, auf Gesundheit und Lebenslust.

 

Was durch das Modell nicht erklärt wird

Beim Schreiben merke ich natürlich, dass dieses Modell einige Dinge nicht abdeckt. Zum Beispiel die Frage, warum wir es so oft nicht schaffen, ​​uns „vernünftig“ so zu verhalten. Oder bei Schwierigkeiten dranzubleiben und unser Verhalten dauerhaft zu verändern. Aber für die „Grundidee“, wie Menschen Ernährungsberatung am besten nutzen können, finde ich diese Typenlehre ganz hilfreich.

Ich schreibe ja hauptsächlich für Adipositas-Betroffene. Aber natürlich ticken auch Ernährungsberaterinnen auf diese Art. Und wenn du dir jetzt vorstellst, dass eine „Zahlen,Daten,Fakten“-Beraterin auf eine „Erklär´s-mir“-Klientin trifft. hast du vielleicht eine Idee, warum das manchmal so schwierig ist.

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Du kannst anhand dieser 4-Mat-Typen mal schauen, auf welche Fragen ​​du eine Antwort brauchst, damit du die Vorschläge, was du an deinem Essen verändern sollt, annehmen kannst und wirklich Lust hast, etwas zu verändern. Es ist gut, ruhig einmal nachzufragen, wie du etwas am besten hinbekommen kannst (z.B. welche Möglichkeiten es gibt, deinen Süßigkeitenkonsum runterzufahren) oder deutlich zu sagen, wenn du Bedenken mit einer bestimmten Methode hast, 

Es kann übrigens auch sein, dass du ein Misch-Typ bist. Dann stell ruhig mehrere Fragen oder bitte darum, etwas auf deine Art erklärt zu bekommen​​. Viele Beraterinnen sind übrigens froh, wenn du deutlich sagen kannst, welche Vorschläge du (nicht) sinnvoll findest.

Tip für Ernährungsberaterinnen

Wenn du diesen Artikel liest, weil du als Ernährungsberaterin oder als Ärztin gern mal spickst, was die Kolleginnen so schreiben:

Mit ein bißchen Übung und wenigen gezielten Fragen lässt sich im Gespräch leicht herausfinden, ​​​​welchen Typ du vor dir hast. Und die Tipps im Artikel von Bianca Grünert lassen sich auch gut auf Beratungssituationen übertragen.

Jemand, der seine Gewichtstabelle akribisch führt, ist z.B. leicht als „Was-Typ“ erkennbar.

Wer auf klare Vorschläge mit Einwänden reagiert, braucht mehr Erklärungen. Was bewirkt es, weniger Kohlenhydrate zu essen – welchen Nutzen hat er davon?…

Es ist übrigens immer gut, am Anfang einer Beratungseinheit einen Überblick zu geben (oder abzufragen), was heute besprochen werden soll. Es spricht zwar hauptsächlich den „Warum“-Typen an, hilft mir als Beraterin auch immer wieder, die Zeit gut zu strukturieren. 

Passt dein Typ zu meinem?

Ich hoffe, dass ich mit du dieser kleinen Typen-Lehre etwas dazu beitragen kann, dass Ernährungsberatung für alle Beteiligten ein Gespräch wird, das wir gern führen. Bei dem du, liebeR Adipositas-BetroffeneR, motivert deinen nächsten Veränderungsschritt angehst. Und bei dem du, liebe BeraterIn, diesen Prozess gern und leicht anschieben kannst.

Wenn du herausfinden möchtest, ob ich die richtige Beraterin bin, um dich vor, nach oder statt einer Adipositas-OP zu begleiten, kannst du dir gern hier einen Termin für ein Kennenlerngespräch buchen. Wir telefonieren oder sprechen über Video und finden heraus, ob es bei uns passt. 

Jetzt bin ich mal gespannt: welcher Lern-Typ bist du? Schreib es gern in die Kommentare!