Bei Gewichtsstillstand schadest du dir mit Hau-Ruck-Methoden

Pouch Reset! Was für ein Wort., was für ein Versprechen. Er soll in 5 Tagen den Magenbypass oder den Schlauchmagen wieder „auf Start“ zurücksetzen und damit die Gewichtsabnahme wieder ankurbeln.

Ich werde ja immer sauer, wenn mir jemand vollmundig Quatsch verkaufen will. Und ich kann mich noch so sehr um neutrale Neugier bemühen: das Einzige, was ich an diesem Vorschlag genial finde, ist der Name. Dafür sollte jemand einen Marketing-Preis bekommen. Oder einen Preis für die beste Lügengeschichte.

Hier nenne ich dir die wichtigsten Gründe, warum so etwas wie „Pouch Reset“ meiner Meinung nach nicht funktioniert – und wie du es besser hinbekommen kannst. Auch wenn das nicht in 5 Tagen geht: es lohnt sich.

(Aus formalen Gründen ist das jetzt Werbung, weil ich am Ende auf ein kostenloses Angebot von mir hinweise).

 

Was soll der Pouch Reset bewirken?

Damit du weißt, worum es geht: wenn du den Begriff in die Suchmaschine eingibst, taucht als erste deutsche Seite dazu der Artikel im Blog des Adipositaszentrums in Winsen auf.

Die Anleitung ist direkt übersetzt von der Infoseite einer mexikanischen Klinik für bariatrische Chirurgie. Ich habe auf keiner der Seiten einen Hinweis darauf gefunden, wer diese Methode entwickelt hat und ob es Studien zur Wirkung gibt.

Ich zitiere mal direkt von der Seite, was die Idee des Reset ist (Layout von mir verändert):

„Bei der 5-Tages-Pouch-Reset-Diät handelt es sich um eine verkürzte Version der normalen postoperativen Diät. Der einzige Unterschied ist, dass diese Diät dieses Mal auf fünf Tage reduziert wird, um wieder auf die Spur zu kommen und wieder kleinere Portionen zu essen. Hiermit ist es gut möglich, wieder abzunehmen. Am Ende kann man entweder weiter mit der Diät machen oder wieder zu der Form der Ernährung über gehen, die am besten funktioniert hat. Der Pouch Reset sollte durchgeführt werden wenn:

Man nicht mehr abnimmt, man wieder zunimmt, die Portionen wieder größer (mehr als 200 g) geworden sind, man nicht mehr auf das achtet, was man isst oder man wieder “auf die Spur” kommen will“

(Quelle: https://www.adipositaszentrum-winsen.de/pouch-reset-der-neustart-wenn-die-portionen-wieder-groesser-geworden-sind/, Zugriff am 02.08.2019)

Also im Wesentlichen geht es darum, wieder zu einem gesunden Essverhalten zurückzukehren. Bitte hab dieses Ziel vor Augen, wenn du gleich liest, was du währenddessen tun sollst.

 

Das sollst du  während  der Pouch-Reset-Tage essen

  • 1.Tag: klare Flüssigkeiten (Wasser, Tee, Brühe, zuckerfreie Getränke)
  • 2. Tag 3 Eiweiß-Shakes, kalorienarme Gemüsesuppe, 2 Liter Wasser
  • 3. Tag wie Tag 2, zusätzlich weiche Eiweißquellen wie Rührei, Tofu, Frischkäse oder Joghurt
  • 4. Tag wie Tag 2, zusätzlich feste Eiweißquellen wie Fleisch und etwas gesunde Fette wie Avocado oder Mandeln
  • 5. Tag wie Tag 4, ergänzt durch 2x 60 Gramm Gemüse/Obst
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Wenn ich diese „Speisen“-Vorschläge lese und durch und sie mit dem vergleiche, was als gesundes, ausgewogenes Essen nach der OP gilt, habe ich starke Zweifel, dass das dazu beiträgt, „wieder zu einem gesunden Essverhalten zurückzukehren“. Ach was, Zweifel. Ich bin lange genug Ernährungsberaterin, um zu wissen, dass das nicht funktionieren kann. Punkt.

Wenn du andere Erfahrungen gemacht hast. lass es mich gern wissen.    

 

Hier meine Kritik im Einzelnen:

Ein Shake ist keine angemessene Mahlzeit

Falls mit „ein Shake“ eine üblicherweise empfohlene Menge von 300 ml plus Eiweißpulver gemeint ist (zur Portionsgröße wird nichts gesagt), halte ich das für eine Menge, die auf einen Rutsch ziemlich viel ist für einen operierten Magen. Falls es weniger ist, wird die Eiweißmenge über den Tag ziemlich klein.

Natürlich ist das für einige Tage auszuhalten (falls deine Eiweiß- und Stoffwechselwerte in Ordnung sind), aber weder trainierst du damit normales Essverhalten, noch ein Gefühl für Sättigung – und Ballaststoffe und Vitamine/Mineralstoffe fehlen auch komplett.

 

Weiche Nahrung – nicht kauen ist auch keine Lösung 

Die Empfehlung, 3 Tage lang nichts Festes zu essen, verstehe ich nicht.

Direkt nach der OP ist die Situation völlig anders, da macht weiche Kost Sinn, um die OP-Wunde zu schonen. Aber wenn es genau darum geht, (wieder) bewusstes Essen zu üben, wird fades weiches Essen, das noch du noch nicht einmal in Form einer Mahlzeit essen kannst, doch keinen positiven Anreiz geben, das Essen zu schmecken, geschweige denn zu genießen.

 

 

Nährstoff- und Kalorieneinschränkung macht keinen Sinn

Wofür ist es sinnvoll, 4 Tage lang auf Gemüse, Obst und eine kleine Menge Kohlenhydrate zu verzichten? Wenn es darum geht, wieder darauf zu achten, was man isst, gehört für mich dazu, von der wichtigen, aber eben nicht allein selig machenden Eiweiß-Fixierung wegzukommen. Eine Mahlzeit besteht aus mehr als bröseligem Hüttenkäse.

Ja, es ist wichtig, sich darauf zu besinnen, wie groß bzw. klein eine Portion sein kann und sollte.  Aber einen Körper, der sowieso täglich mit den besonderen Anforderungen eines veränderten Magen-Darm-Traktes klarkommen muss, unter den Grundbedarf zu prügeln und echte Mahlzeiten zu verweigern, finde  ich unverantwortlich. Ein Gespür für Hunger und Sättigung lernt man anders. Obwohl: was „Hunger“bedeutet, lernt man in diesen Tagen tatsächlich. Wahrscheinlich sogar im Doppelpack mit dem ungeliebten Bruder „Heißhunger“. 

 

Das bewirkt der Pouch-Reset in deinem Kopf

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint. Die Idee, noch einmal neu und vernünftig mit dem Essen zu starten: wunderbar, mach das! Aber bitte mach keinen Neustart mit einer völlig widersinnigen „Kur“ beginnt, die eigentlich das Gegenteil von dem verlangt, das du erreichen willst! 

Damit ist die Wahrscheinlichkeit, dass du nach den 5 Quäl-Tagen erst recht alles Verbotene futtern möchtest, größer als die Lust, dich ab Tag 6 achtsam und liebevoll um ausgewogenes und leckeres Essen zu kümmern.

Das Motto des Pouch Reset ist ja „Quäl dich, du Sau“ (so hat sich angeblich Jan Ullrich zu Höchstleistungen gepeitscht). Du bist hungrig, darfst nicht kauen und im Kopf kreisen die Verbote. Und wenn du es nicht schaffst, hast du mal wieder versagt. Was. Soll. Das?

Dieser Ansatz widerspricht allem, was ich über eine sinnvolle Verhaltensänderung gelernt habe. Er ist für mich sozusagen die Prügelstrafe der Ernährungsumstellung. 

Aber als  Ernährungsberaterin bin ich natürlich voreingenommen ;). Vielleicht gibt es ja auch gute Erfahrungen damit….

 

Gibt es zum Pouch Reset Einschätzungen von Operierten?

Ich habe bei der Recherche für diesen Artikel auch zwei Erfahrungsberichte/Einschätzungen von Operierten gefunden.  Anne Rheis vertritt in ihrem ziemlich bunten Blog eine ähnliche Meinung wie ich (hier der Artikel zum Pouch Reset). Auf Youtube habe ich noch einen Erfahrungsbericht von Andrea Blatter gefunden. Auch sie kommt zu einem ähnlichen persönlichen Fazit. Hier findest du das erste der beiden Videos.  Wie gesagt , wenn du andere, bessre Erfahrungen gemacht hast, lass es mich gerne wissen!

 

 

Was hilft bei Gewichtsstillstand nach der Adipositas-OP denn nun?

So gern ich dir etwas anderes sagen würde: aus dem Gewichtsstillstand rauszukommen, funktioniert meiner Meinung nach nur dann, wenn du übst, deine Situation immer wieder freundlich, aber bestimmt unter die Lupe zu nehmen. Ich habe -ohne Anspruch auf Vollständigkeit – in meinem Artikel Gewichtsstillstand -das machst du falsch mal 20 Faktoren aufgelistet, bei denen du ansetzen kannst. Mit Checkliste und ganz praktischen Tipps, die du auch in Eigenregie umsetzen kannst.    

 

 

Die Basis-Tipps für Essen nach der Adipositas-OP

Wenn du dich darauf fokussieren willst, nur noch „das Richtige“ zu essen, fährst du mit folgenden Tipps besser:

  • Iss nur noch zu den Mahlzeiten (je nach OP-Methode 3-5). Dazwischen trinkst du Wasser.
  • Achte darauf, zu den Mahlzeiten immer zuerst 3 Bissen des eiweißhaltigen Lebensmittels zu essen. Dann 1 Bissen Gemüse oder Obst und wenn dann noch Platz ist, 1 Bissen Stärkehaltiges. 
  • Mach Zucker zur absoluten Ausnahme.
  • Wieg dein Essen ab. Teste aus, wie klein die Mahlzeit sein „darf“, damit du noch satt wirst, aber nicht zu viel Volumen isst.

Und wenn dir diese Tipps (zu) streng und freudlos vorkommen, schau nach oben auf die Pouch-Reset-Vorschläge und entscheide dann, was für dich mehr Sinn macht.

 

Einladung zur

5-Tage-Challenge „Dranbleiben! Mit Genuss zum Zielgewicht“

Ich weiß, dass die reinen Ernährungstipps , auch wenn sie sachlich noch so richtig sind, meistens nichts bringen. Etwas Eigenregie zu verändern, scheitert oft daran, dass nicht genug Zeit ist, dass es nicht sofort klappt, dass du doch unsicher bist, ob das, was du versuchst, wirklich zu dir passt – oder oder oder.  Du kennst ja wahrscheinlich deine Gründe, warum es dir immer wieder durchflutscht.

Deshalb habe ich mir für den August 2019 eine besondere Aktion ausgedacht. Unter dem Motto „Raus aus dem Gewichtsstillstand“ verschicke ich vom 09. bis zum 13. August jeden Tag eine Mail mit kleinen, sofort umsetzbaren Tipps und Anregungen.

In meiner Facebook-Gruppe  kannst du dich mit anderen austauschen, ich bin mehrmals täglich dort und moderiere und unterstütze dich. Am letzten Tag treffen wir uns in einem Abschluss – Webinar.

Mit dieser Aktion baust du dir sozusagen deinen eigenen Pouch Reset – und zwar so, dass du entweder wirklich dranbleibst oder hinterher weißt, wo du noch weitere Unterstützung bekommen kannst. Im Anschluss an die Challenge findet mein erster begleiteter Online-Gruppenkurs statt, der dann für dich geeignet ist, wenn du zwar eine Idee hast, was du an deinem Essen verändern willst, aber noch mehr „Coaching“ beim Dranbleiben möchtest.

Hier findest du alle Infos zur kostenlosen „Dranbleiben!“-Challenge. vom 9. bis13.8.2019

Melde dich doch gleich an, es lohnt sich!

Ich wünsche dir einen guten Blick dafür, was du wirklich brauchst, wenn das Gewicht mal steht, Geduld, Gelassenheit und den Mut, immer wieder neu anzufangen!

Herzlich, deine Antje