Nach der Adipositas-OP nur noch kohlensäurefreie Getränke?

Wer eine Magenverkleinerung plant, bekommt normalerweise in der Ernährungsberatung eine klare Ansage: „Nach der OP dürfen Sie nur noch Getränke ohne Kohlensäure trinken“.

Schluck – oder eben auch nicht ;)…Ich erlebe in der Beratung immer wieder, dass manche Menschen stilles Wasser nicht herunterbekommen. Teilweise, weil sie es einfach nicht gewohnt sind und es ziemlich schwierig ist, sich an etwas zu gewöhnen, das nichts mit Genuss oder Geschmack zu tun hat. Manche finden es geradezu eklig. Nicht, weil sie verwöhnte Prinzen und Prinzessinnen sind, sondern weil sie einen körperlichen Widerwillen haben. Und im Rahmen einer „normalen“ Ernährungsberatung finden wir meistens nicht einfach heraus, woher diese Widerwille kommt.

 

Warum werden kohlensäurefreie Getränke empfohlen?

Die häufigste Begründung ist die Behauptung, dass dadurch möglicherweise der Magen wieder zu stark gedehnt wird und ausleiert. Ich habe es immer mit Hilfe eines gefüllten Luftballons erklärt: wenn man Mineralwasser in einen Ballon füllt, ihn verschließt und schüttelt, dehnt er sich aus.

 

Stimmt das überhaupt mit der Überdehnung des Magens?

Ganz ehrlich: man weiß es nicht. Beim Recherchieren bin ich auf einen Artikel des Adipositaszentrums in Winsen über eine Studie zum Thema Magendehnung nach Schlauchmagen gestoßen (hier kannst du ihn nachlesen). Diese Studie untersucht aber nur, OB sich nach einer Schlauchmagen-OP der Magen wieder ausdehnt (Ja, bei 61% der untersuchten Personen hatte sich der Magen schon nach einem Jahr um über 25% gedehnt), aber nicht, WARUM. Untersuchungen zum speziellen Zusammenhang Kohlensäure -Magendehnung, auch beim Magenbypass, habe ich bisher nicht gefunden. Beweisen lässt sich diese Aussage also nicht.

Der häufigste Einwand gegen die Theorie vom Ausleiern ist, dass der Magen sowohl oben als auch unten offen ist und die Kohlensäure also problemlos entweichen kann. Aber auch das stimmt nur teilweise. Besonders der Mageneingang ist mit einem Muskel „gesichert“, mit dem viele Operierte schon unangenehme Erfahrungen gemacht haben.

 

Welche Probleme können noch durch Kohlensäure entstehen?

Manche Leute testen es einfach aus und stellen fest, dass sie schon bald nach der OP wieder Getränke mit Kohlensäure vertragen. Aber mindestens genauso häufig erlebe ich, dass der Körper schon beim ersten Schluck rebelliert: vom Druckgefühl in der Speiseröhre, dem Gefühl, dass das Wasser (oder auch Speisen) in der Speiseröhre steckenbleibt,  über Magendrücken und Blähungen gibt es eine Menge unangenehme Wirkungen, die auftreten können.

 

Macht die Empfehlung „nur Getränke ohne Kohlensäure“ dann überhaupt Sinn?

In der Vorbereitungs-Beratung empfehle ich trotzdem allen meinen KlientInnen, stilles Wasser trinken zu üben. Weil niemand vorher weiß, zu welchem Reaktionstyp man gehört. Und weil Wasser eins der wichtigsten Lebensmittel ist. Immerhin braucht dein Körper nach der OP genauso viel Wasser wie vorher -egal ob das Fassungsvermögen deines Magens jetzt viel kleiner ist. Wir vergessen leicht, dass wir 50% unsere benötigten Flüssigkeit aus dem Essen zu uns nehmen. Und da deine Portionen nach der OP viel kleiner sind als vorher, ist es um so wichtiger, genug zu trinken. Wenn du es dann nicht runterbekommst, hast du eine echte Versorgungslücke. Was bei Wassermangel im Extremfall passieren kann, hat „die Welt“ hier in einem Artikel zusammengefasst. Also ist es auf jeden Fall gut, wenn du vorher geübt hast, kalorien- und kohlensäurefreie Getränke zu mögen oder wenigstens zu akzeptieren.

Ich mag es ja gern praktisch und fase dir noch einmal die Tipps zusammen, die dir bei einer guten Getränkeauswahl helfen.

 

Wenn du Wasser nicht magst, weil es nach nichts schmeckt

Wenn dir Wasser pur nicht schmeckt, gibt es verschiedene Möglichkeiten, es zu verbessern. Dabei finde ich für deinen Abnehm-Erfolg wichtig, dass du dir Softdrinks und Alkohol wirklich als Ausnahme dauerhaft für Feste aufsparst. Je nachdem, ob du schon dein gewünschtes Gewicht erreicht hast, noch auf dem Weg dahin bist oder vielleicht sogar schon „zu wenig“ wiegst, machen Ausnahmen natürlich unterschiedlich viel aus.

 

Diese Getränke sind gute Alternativen zu Wasser pur:

  • ungesüßte Tees in allen Varianten. Ob klassisch gesund wie Roibos, Minze und Fenchel oder aromatisiert mit Bratapfel- oder Blaubeermuffin-Geschmack – alles, was dir hilft, deine Trinkmenge zu erreichen, ist gut. Hier kannst du noch einen Tipp für leckeren Eistee nachlesen.
  • Kaffee ist keine Wasser-Alternative, aber kann eine gute Ergänzung sein, 3-4 Tassen pro Tag sind völlig okay. Wenn du Bohnenkaffee nicht gut verträgst, kannst du auch Getreidekaffee probieren.
  • aromatisieren mit Zitrone, Ingwer, Zimt oder Minze….oder auch gefrorenem Obst. Such mal den Modebegriff Infused Water im Netz, da gibt es einige tolle Ideen, auf die ich im ersten Moment nicht gekommen wäre.
  • ein kleiner Schluck guter Saft (Mengenverhältnis max.. 20% zu 80%) rettet manchmal das Auge und die Geschmacksnerven.

 

Ich oute mich mal wieder als Süßstoff-Skeptikerin, deshalb habe ich zuckerfeie Sirupe und Lightgetränke nicht mit unter die guten Alternativen aufgeschrieben. Ich weiß, dass auch das ein viel diskutiertes Thema ist. Süßstoffe gelten als unbedenklich und haben keine Kalorien – das ist das Argument, gegen das ich nicht viel sagen kann und will.

Was mich skeptisch macht, ist die Gefahr, deine Zunge (weiter oder wieder) an einen starken Süßgeschmack zu gewöhnen. Ich habe zu oft erlebt, dass Light-Getränke Heißhunger und ungünstiges Essen und Trinken gefördert haben. Und letztlich bleibt für viele Operierte das Thema Süßes und Genussgewohnheiten etwas, mit dem sie sich immer wieder beschäftigen müssen, um den Abnehmerfolg dauerhaft zu halten.

Diese Frage taucht übrigens nicht nur in der ersten Zeit nach der OP auf. Auch in meiner  Community „Dranbleiben! Entspannt essen bei Adipositas-OP“  (bzw. dem gleichnamingen Kurs, die ich früher gehalten habe) ist trinken immer wieder ein Thema. Und ich finde es immer wieder spannend, dass sich manchmal sogar ein hartnäckiger „Gewichtsstillstand“  nach einer Veränderung der Trink-Gewohnheiten wieder in Bewegung setzt.

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Die Gretchenfrage, ob du wirklich dauerhaft auf Kohlensäure verzichten musst, kannst du nun hoffentlich für dich besser beantworten. Ich freue mich, wenn du mir in den Kommentaren deine Erfahrungen und deine Haltung zu „Kohlensäure ja oder nein“ schreibst. Wie bekommt es dir? Wie bekommst du das mit dem Trinken hin?

Für heute erst einmal „Prost“ (bedeutet wörtlich: möge es nützen!) und viele Grüße,

Antje