Zum Jahreswechsel ist es immer besonders schlimm. Das Gewicht zu halten oder sogar abzunehmen ist im Ausnahmezustand rund um Weihnachten und Silvester eine noch größere Herausforderung als sonst. Und für Menschen nach der Adipositas-OP macht sie nochmal besonders Stress.

„Was, nur 300 Gramm weniger? Und du bist sicher, dass die Waage richtig geht? Das ist zu wenig. Mist, ich hab´s mal wieder nicht hinbekommen.“…und was nach dieser Beobachtung oft kommt, ist, ist allerfeinstes Kopfkino. Es findet innen statt und klingt häßlich. Vorwürfe an dich selbst. Und das oft in einem Ton, den du dich im Internet nicht zu schreiben traust. Oder den du im Netz so fies findest, dass du in den entsprechenden Gruppen schon lange nichts mehr schreibst. Auch wenn es nicht operierten Menschen auch so geht, trifft er nach der Magenverkleinerung nochmal besonders hart.

„Mit der OP abnehmen ist nichts, worauf ich stolz sein kann“

Heute las ich, dass jemand den Gedanken hat (sinngemäß): „Mit der Adipositas-OP abzunehmen ist doch keine Kunst. Das regelt der Körper von allein. Da gibt es nichts, worauf ich stolz sein darf.“ Ui, da war was los in der Gruppe! Die Schreiberin musst sich einige Vorwürfe gefallen lassen (auch wieder sinngemäß): dass sie den Zweck der OP nicht verstanden hat, dass sie anderen den Erfolg nicht gönnt, dass sie ein Problem mit der Selbstwahrnehmung habe….

Ich hatte die Aussage gar nicht so verstanden, dass die Schreiberin das über andere denkt, sondern über sich selber. Und ich spreche in der Beratung oder in Gruppen immer wieder Menschen, ob operiert oder nicht, die auch das Gefühl haben, dass das, was sie gerade machen, keine wirkliche Leistung ist.

Kopfkino macht doppelt Stress

Wenn du solche Gedanken auch kennst, hast du sogar doppelten Stress. 1. diese Gedanken, die dich runterziehen und 2. kannst du nicht mal gefahrlos darüber reden.

Ich habe dazu eine Idee, die du mal ausprobieren kannst. Sie hilft dir, aus diesem Gedankenkarussell auszusteigen und hilft dabei, netter und konstruktiver über dich zu denken.

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So kannst du deine negativen Gedanken verändern

Du brauchst dazu entweder zwei Blätter Papier und etwas zu schreiben oder ein Handy mit Aufnahme-Funktion.

negative Gedanken formulieren

Schritt 1: raus aus demKopf mit den Gedanken. Schreib alles genau so auf, wie du es denkst. Oder sprich es in dein Handy. Du darfst dich so richtig „reinsteigern“. Wenn dir nichts mehr einfällt, kannst du dich fragen: „und was noch?“. Es darf sogar ein bißchen abstrus werden. Nimm dir dazu so viel Zeit, wie du brauchst. Manche sind dabei nach 5 Minuten fertig, manche brauchen länger.

Stimmt das überhaupt?

Schritt 2: schau oder hör dir an, was du aufgeschrieben hast und frage dich: „Stimmt das überhaupt? Ist das wahr?“

Wie kann ich das anders betrachten?

Schritt 3 (beim Schreiben kannst du das parallel zu Schritt 2 machen): Notiere, was du denken würdest, wenn du das, was du gerade beurteilst, anders beurteilen würdest. Wenn du zum Beispiel denken würdest: „Ers ist eine Kunst, mit der Adipositas-OP abzunehmen. Dafür tu ich jeden Tag etwas, nämlich:…“

Und dann kannst du mal beobachten, ob die ersten Gedanken noch so stark und wuchtig sind wie vorher.

So schaffst du es, diese Übung wirklich zu machen

Wenn du so tickst wie viele Menschen, die ich kenne (mich selber eingeschlossen), findest du dir den Vorschlag mit dem „aufschreiben“ richtig gut.  Aaaaber….es dann tatsächlich selber zu machen, klappt in den seltensten Fällen. Das liegt oft daran, dass wir Blogartikel in Situationen lesen, in denen wir auf Ablenkung, Entspannung, Unterhaltung eingestellt sind.

Ich kenne das aus eigener Erfahrung: wenn ich solche Reflektions-Übungen mit anderen zusammen mache, sind sie wahre Veränderungs-Booster. Ich nehme mir die Zeit, wenn mein Coach sie für mich „hütet“ und strukturiert. Ich tausche mich soo gern mit anderen aus, denen es ähnlich geht und verändere dann etwas, wenn ich mir mit solchen Übungen Klarheit verschafft habe.

Wenn das bei dir ähnlich ist, schau mal bei meinem Kursangebot „Dranbleiben – entspannt essen bei Adipositas-OP“ vorbei. In diesem 4-Wochen-Kurs speziell für Menschen nach der Magenverkleinerung richtest du dich noch einmal neu aus und schaust genauer auf deine Hürden – von Gewichtsstillstand bis Heißhunger. Oft macht es dann „Klick“ im Kopf, du kannst wieder netter zu dir selber sein und mit besserem Gefühl die nächsten Gewichts-Schritte gehen.

Auch in meiner privaten Facebook-Gruppe Adipositas-OP – mein Weg finden immer wieder spannende Diskussionen rund um das Thema „Adipositas-OP und Gefühle“ statt. Auch da darfst du gern vorbeischauen!

Ich bin gespannt, ob du diese Übung für dich nutzen kannst. Schreib doch gern in die Kommentare, wie sie bei dir gewirkt hat. Oder auch, wenn dir etwas daran nicht gefällt oder sie bei dir nichts verändern.

Gute Gedanken wünscht dir

Antje

(Die Skulptur auf dem Foto heißt „sitzendes Mädchen, ist von Peter Szaif und das Original kannst du in Hameln im Bürgergarten anschauen)