So informierst du dich gut und neutral über Wege aus der Adipositas

Hier Werbung für einen Diät-Drink, dort das Versprechen, mit Low Carb, Paleo, Intervallfasten oder einer Adipositas-OP endlich dein Wunschgewicht zu erreichen. Stöhn…ganz schön verwirrend! Wie kannst du dich im Dschungel der Ernährungsinfos zurecht finden, wenn du übergewichtig bist und dich wirklich neutral informieren willst? Ist eine Adipositas-OP (darum geht es in meinem Blogbeiträgen ja schwerpunktmäßig) wirklich der Königsweg für alle? Wie kannst du leicht herausfinden, ob eine Aussage oder ein Angebot zum Abnehmen seriös ist? Ich habe für dich mal einige Informationsquellen zusammengestellt, die garantiert keine Werbung enthalten und dir einen guten Überblick verschaffen.

 

Warum du bei Ernährungsinformationen skeptisch sein solltest

Ich bin täglich auf Facebook unterwegs. Ein riesiges „soziales Netzwerk“. Austausch unter Freunden, kostenlose Infos, jeder darf fast alles „teilen“. Und auch wenn die großen Plattformen und Apps wie Instagram, Twitter, Pinterest und wie sie alle heißen nicht dein Ding sind: auch über die großen Suchmaschinen findest du unzählige Infos über Diätformen, Ernährungsphilosophien und Webseiten von Anbietern von Abnehmprogrammen und Beratung.

Und es gibt erst einmal keine Instanz die für dich überprüft, ob die Dinge, die du dort liest, wirklich stimmen. Es gibt zwar einige Regelungen, welche Werbeaussagen im Bezug auf Gesundheit erlaubt sind, aber mit den richtigen Formulierungs-Tricks darf fast jeder erst einmal alles behaupten. Und weil man mit Abnehmen richtig viel Geld verdienen kann, sind die Werber auch nicht zimperlich. Das solltest du im Kopf haben, wenn du das Internet nutzt, um für dich Hilfe beim Abnehmen zu finden.

 

Staatliche oder gemeinnützige Portale informieren werbefrei

Am besten für dich sind Informationsportale, die ohne wirtschaftliches Interesse betrieben werden. Das sind also Institutionen, die staatlich gefördert werden oder einer gesetzlichen Regelung unterliegen. Gemeinnützige Vereinigungen oder Krankenkassen, wissenschaftliche Vereinigungen, Selbsthilfeverbände, Ministerien oder Verbraucherzentralen. Bei allen anderen Seiten (ja, auch bei meiner, dazu schreibe ich unten noch etwas) hilft es, bei den „Angeboten“ nachzuschauen, womit sie ihr Geld verdienen, auf der „über-mich“-Seite in Blogs zu überprüfen, ob die Bloggerin (auch) mit ihrer Seite ein Einkommen erzielt oder im Impressum nachzulesen, wer sich hinter dem Informationsangebot verbirgt.

 

Wo hört Information über Adipositas auf und wo beginnt Werbung?

Damit du es richtig verstehst: auch die Infos auf kommerziellen Seiten können neutral, richtig und hilfreich sein. Für dich als VerbraucherIn ist es im Zweifelsfall aber gut, die Infos mit denen einer neutralen Stelle abzugleichen. Einige Dinge sind auch ziemlich gut geregelt, andere wieder nicht.

Bei Diätprodukten wie Shakes, Pillen oder speziellen Lebensmitteln oder auch bei Nahrungsergänzungsmitteln greift die so genannte „Health Claims Verordnung“, in der europaweit geregelt ist, dass gesundheitsbezogene Aussagen mit Studien belegt sein müssen. Hier beim Bundesinstitut für Risikobewertung kannst du nachlesen, wie das funktioniert.  Diese Regelung soll dich vor irreführender Werbung schützen.

Bei Abnehmprogrammen, die in Form von Kursen durchgeführt werden, kannst du bei deiner Krankenkasse nachfragen oder auf deren Webseite nachschauen. Alle gesetzlichen Kassen sind in einem Verbund zusammengeschlossen und greifen auf eine Datenbank zu, in denen qualifizierte KursleiterInnen (bei Ernährungskursen OecotrophologInnen, DiätassistentInnen und ErnährungsmedizinerInnen) gelistet sind. Die Kurse und Beratungen, die dort aufgeführt sind, müssen wissenschaftlich ausgewertet sein, richten sich aber an Leute, die noch nicht erkrankt sind.

 

Allgemeine Infos über das Krankheitsbild Adipositas

Der eigentliche Anlass, diesen Artikel zu schreiben, ist ein Patientenleitfaden, der von der deutschen Adipositas Gesellschaft in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Gesundheit erarbeitet wurde. Dort findest du auf 70 Seiten ausführliche Infos zu fast allem, was es zum Thema Adipositas zu wissen gibt. Von der Erklärung, was Adipositas ist, ab wann Übergewicht behandlungsbedürftig ist, über verschiedene anerkannte Behandlungsmethoden bis hin zu Links und einem Wörterbuch, das dir hilft, die Fachbegriffe zu verstehen, die Ärzte häufig verwenden ;). Viele Verbände haben den Link mittlerweile auf ihrer Homepage, am direktesten findest du die Patientenleitlinie zur Diagnose und Behandlung der Adipositas hier.

An dieser Stelle schalte ich mal kurz eine Anmerkung ein, die du durchaus als „Werbeblock“ für meine Angebote betrachten kannst. Die Möglichkeit, direkt bei einer freiberuflichen Oecotrophologin eine speziell  auf deine Situation zugeschnittene Ernährungsberatung zu nutzen, ist einer der wenigen Punkte, die ich in dieser Broschüre etwas zu kurz dargestellt finde. Das liegt natürlich daran, dass es in Arztpraxen und in Kliniken auch DiätassistentInnen und OecotrophologInnen gibt, die dort die Beratungen durchführen. Wenn du nachlesen willst, wie die Beratung bei einer niedergelassenen Ernährungsberaterin aussehen kann, kannst du hier am Beispiel der Beratung vor der Adipositas-OP lesen, wie ich in der Einzelberatung arbeite. (Eigenwerbung Ende ;))

Die Adressen meiner Kolleginnen findest du bei den Berufsverbänden Bundesverband Oecotrophologie und beim Verband der DiätassistentInnen .

 

Infomöglichkeiten für Adipositas-OPs

Wenn du überlegst, dir mit Hilfe einer Adipositas-OP den Magen verkleinern zu lassen, kommen die (vorbeugenden) Kurse, die über die Krankenkassen finanziert werden, für dich meistens nicht mehr in Frage.

Speziell zu Adipositas-OPs finde ich folgende Informationsmöglichkeiten sinnvoll:

  • Erfahrungen von Bekannten Jemand in deinem Umfeld hat schon eine Magenverkleinerung hinter sich. Bei ihm oder ihr bekommst du wahrscheinlich die ersten Erfahrungsberichte über Ärzten, dem Adipositas-Zentrum, der Ernährungsberatung und wie er/sie mit der OP zurecht kommt. Der Vorteil daran: du sprichst wirklich mit einer erfahrenen Person. Der mögliche Nachteil: du bekommst eine sehr subjektive Einschätzung. Deswegen ist es immer wichtig, zu überprüfen, wie weit deine Situation mit der deiner Bekannten vergleichbar ist.
  • die Sprechstunde deines Adipositas-Zentrums. Das ist eine spezialisierte Abteilung eines Krankenhauses, das viel Erfahrung mit Magenverkleinerungen hat und auch in einem speziellen Überprüfungsverfahren nachweist, dass es mit Ernährungs- und Bewegungsfachkräften zusammenarbeitet und eine lebenslange Nachsorge anbietet. Oft gibt es auch Informationsveranstaltungen, bei denen du dich erst einmal in Vorträgen informieren kannst.  Hier bei der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie findest du ein zertifiziertes Zentrum in deiner Nähe.  Der Vorteil in einem zertifizierten Zentrum ist, dass die MitarbeiterInnnen dort richtig gut Bescheid wissen, welche Art von Ernährungsberatung, Bewegungstherapie, psychologischen Gutachten und Voruntersuchungen du durchlaufen musst, um einen Kostenübernahmeantrag bei deiner Krankenkassen zu stellen. Ein möglicher Nachteil kann sein, dass die adipositaschirurgischen Abteilungen nicht immer gut über Angebote anstatt einer OP Bescheid wissen bzw. es in kleineren Orten wenig Angebote in der so genannten „konservativen“ Adipositastherapie gibt.
  • eine Adipositas- Selbsthilfegruppe in deiner Nähe. Oft sind die Gruppen an die Adipositaszentren angegliedert. Sie werden von Betroffenen mit oder ohne OP organisiert und bieten einen ausführlichen Erfahrungsaustausch vor und nach der Magenverkleinerung an. Wie umfassend du dort informiert wirst, hängt natürlich immer davon ab, wie die Gruppe organisiert ist und wie gut die „Chemie“ dort für dich stimmt.  Die beiden großen Selbsthilfe-Bundesverbände haben Suchmöglichkeiten für eine Selbsthilfegruppe in deiner Nähe. Die vom Adipositasverband funktioniert zumindest in meinem Browser besser 😉 als die von der Adipositashilfe Deutschland.  Probier mal aus, was bei dir besser klappt.

 

Ich hoffe, dass du mit diesen Tipps eine gute Grundlage hast, dich „mündig“ zu informieren. Ich weiß, dass es oft gar nicht so einfach ist, das richtige Maß an Selbstverantwortung und medizinisch-therapeutischer Unterstützung zu finden. Und ich weiß auch, dass meine Infos geprägt sind von meiner eigenen Erfahrung und dass man bestimmt noch viel mehr ergänzen kann. Wenn du noch eine neutrale Informationsquelle weißt, die du wichtig findest oder die dir geholfen hat, mit deinem Übergewicht, deiner Gewichtsabnahme mit oder ohne OP gut umzugehen, schreib sie mir gern in die Kommentare!